Naturexpedition

Wenn gar schaurig der "Moorochse" ruft . . .

Lauenburg. Amsel, Drossel, Fink und Star und die Nachtigall dazu - schöne, melodische Vogelstimmen. Aber auch das eher raue "Lied" des Reihers und des Eichelhähers gehören zu einem zünftigen Vogelkonzert.

Wenn jedoch ein ganz besonderer Solist sein Lied anstimmt, dann lauscht der Vogelfreund und staunt, denn diesen urigen Ton hat er lange nicht gehört.

Wir sind am Schaalsee unterwegs. Vor uns liegt in der Niederung eine große Schilffläche. Hoch über dem See das eindrucksvolle Flugbild des Seeadlers. Und während wir den mächtigen Adler noch bewundern, erhebt sich mit eulenartigen abgerundeten Flügeln ein Vogel aus dem Schilf, groß wie ein Bussard. Eulenartig? Ja, aber nur die Flügel. Ansonsten ein langer Schnabel, und die Beine nach hinten gestreckt. Hier "rudert" mit ruhigem Flügelschlag die große Rohrdommel über die Schilffläche. Endlich einmal hat sich ein "Moorochse" gezeigt.

Sollen wir warten, ob irgendwann auch der urige " Gesang" der Rohrdommel ertönt? "Moorochse", ist das nicht ein unpassender Name für einen knapp tausend Gramm wiegenden Vogel?

Aber dann beweist die Rohrdommel, dass sie ihren " schwerwiegenden", Beinamen durchaus verdient. Das Dommel-Männchen legt los: Ein dumpfes, weit hallendes, etwas gruseliges Rufen, das tatsächlich an das Muhen einer Kuh erinnert. Der Ruf mit lang gezogenem "Uuuuu" ist über einen Kilometer weit zu hören - leider nur noch selten. Die schaurig-schönen Töne in der Abenddämmerung sind die Begleitmusik für Gruselgeschichten, die früher in ländliche Gegenden die Runde machten. Ein Ruf in nebliger Nacht. Der Bauer eines einsamen Hofes schreckt auf und macht sich mit der Laterne auf die Suche nach seiner vermeintlich im Moor verirrten Kuh. Das sind Gute-Nacht-Geschichten für Kinder, die gerne mit Gänsehaut einschlafen.

Gehört und gesehen haben wir die Große Rohrdommel mehrmals am Schaalsee - einmal an der Stecknitz bei Zweedorf und einmal im Fluge über dem Basedower See.