Konzept

Bahnhof als Oase der Besinnung

Lauenburg. Wer ein paar Tage nicht am Lauenburger Bahnhof war, wird ihn kaum wiedererkennen. Statt in verqualmter Luft und Frittenbuden-Atmosphäre findet sich der überraschte Reisende in Omas "guter Stube" wieder.

Hier ein uralter Kochherd mit ebenso antikem Geschirr, dort zwei weit gereiste, lederne Koffer, eine alte Nähmaschine und drei Teddybären aus Großmutters Kinderzeiten.

Wer so wertvolle Dinge mitten in eine öffentliche Bahnhofshalle stellt, muss ein Urvertrauen zu seinen Mitmenschen haben. Kirsten Jebsen glaubt daran, dass ausgesendete, positive Signale zurückkommen. Und tatsächlich: Seit sie und ihr Partner Christof Hein dabei sind, das Bahnhofsgebäude zu dekorieren, sei keiner dieser Gegenstände abhanden gekommen. Im Gegenteil: Menschen, die es eigentlich eilig hätten, würden plötzlich für einen Moment innehalten.

Als ehemals selbstständige Geschäftsfrau kennt die 51-Jährige das Gefühl, immer auf der Überholspur zu leben. "Eines Nachts weckte mich meine Seele mit einem Schrei, das war mein Schlüsselerlebnis." In einer siebenjährigen Auszeit bildete sie sich selbst zu einer Trainerin für Bewusstseinsentwicklung aus, begann zu schreiben und Vorträge abzuhalten.

Innere Blockaden überwinden und neue Wege erkennen

"Ein Bahnhof hat immer etwas mit Ankommen und Loslassen zu tun. Also ist das der ideale Ort für unser Projekt", schwärmt Kirsten Jebsen. Aber auch durch die ideale Verkehrsanbindung, das gut ausgestattete Restaurant und die modernen Hotelzimmer sei der Bahnhof bestens als "Seminarhaus für Bewusstseinsentwicklung" geeignet. Jebsen will hier Weiterbildungen anbieten, die bei den Teilnehmern innere Blockaden lösen und den Weg frei machen sollen, die eigene, kreative Bewusstseinskraft zu erkennen.

Aber auch für Seminare anderer Anbieter wollen die neuen Pächter offen sein, ebenso für künstlerische Inhalte, Musik und Literatur.

Noch stört das vor drei Jahren abgebrannte Stellwerk die neue Ästhetik im Bahnhofsgebäude, aber auch damit haben Kirsten Jebsen und Christof Hein Großes vor: Aus dem jetzigen Schandfleck soll möglichst noch in diesem Jahr ein moderner, multifunktionaler Seminarraum werden.

Überraschende Kreationen für den Gaumen

Der gelernte Koch Christof Hein war am Beginn seiner beruflichen Karriere durchaus ein Freund der fleischlichen Küche. Er kochte in namhaften Restaurants und schaffte es 1986 sogar in den "Guide de Michelin". Aber gerade seine dabei gewonnenen Erfahrungen über den Umgang mit Schlachttieren hätten ihn schließlich veranlasst, sich ganz der vegetarischen Küche zu widmen. "Je mehr ich experimentierte, desto kreativer und überraschender wurden meine Kreationen", so der 62-Jährige. Seine wichtigsten Zutaten im künftigen Restaurant "ZugSpitze": regionales Gemüse, frische Kräuter, gute Weine und für den Gaumen überraschende Gewürzvarianten. "Ich will keinen Fleischesser bekehren, aber davon überzeugen, dass eine gehobene, vegetarische Küche alles andere als langweilig ist", so sein Anspruch. Auch er möchte Seminare anbieten: vegetarische Kochkurse beispielsweise.

Kirsten Jebsen und Christof Hein zweifeln keinen Augenblick daran, dass ihr Konzept aufgeht. Ende des Monats wollen sie die letzten bürokratischen Hürden genommen haben und dann Restaurant und Hotel eröffnen. Völlig blauäugig stürzen sich die beiden nicht in das Abenteuer: Christof Hein hat nicht nur eine Kochausbildung sondern auch ein Studium der Betriebswirtschaft absolviert.