Brunnen

Lauenburger Löwe gibt sich geheimnisvoll

Lauenburg. Um ein Haar hätte auch Lauenburg einen handfesten "Historikerstreit" gehabt und das nur, weil sich der Löwe vom gleichnamigen Brunnen an der alten Wache nicht nur zwei Jahre lang vergeblich bitten ließ, sondern auch noch so ein Geheimnis um seine Herkunft macht.

Dabei will die Stadt dem Double der historischen Figur einen besonders würdigen Platz bereiten und am Sockel des Brunnens eine geschichtlich korrekte Info-Tafel anbringen. Eine Idee dazu gibt es auch schon: "Der Löwe war ursprünglich Bestandteil der Lauenburger Stadtbefestigung", ist unter anderem auf dem Entwurf zu lesen. Aber genau diese Überlieferung sei umstritten, hält Horst Eggert vom Lauenburger Heimatbund und Geschichtsverein entgegen. Seiner Meinung nach spricht viel dafür, dass Herzogin Maria (1582-1626), Gemahlin von Franz dem Zweiten, die Statue aus Braunschweig mitgebracht hatte. "Die Askanier hatten überhaupt keinen Löwen in ihrem Wappen, was sollte er dann am Stadttor oder einer sonstigen Befestigung?", so sein Argument. Herzogin Maria selbst entstammte aber aus dem Hause der Welfen.

Kein Geringerer als der bekannte Historiker Prof. Dr. Nis Rudolf Nissen aus Dithmarschen (1925-2000) hatte sich seinerzeit ebenfalls mit dem Rätsel um den Lauenburger Löwen beschäftigt. Seine Theorie: Der Löwe ist im 17. Jahrhundert nach dem Brand des Schlosses im Bauschutt gefunden worden. "Insgesamt soll es 12 Löwenstatuen am Schloss gegeben haben und nur die eine ist offensichtlich erhalten geblieben", will auch Horst Eggert erfahren haben.

Beim Lauenburger Heimatbund und Geschichtsverein brütete man deshalb lange über dem Entwurf einer Tafel für die historische Statue, die einerseits historisch korrekt und andererseits nicht angreifbar wäre. Kurzum: Die Heimatforscher wollten auf die Herkunftsbeschreibung völlig verzichten. Der Hinweis, dass die Figur das Wappen der Herzogin Maria trägt, sollte genügen. Offensichtlich aber nicht dem Stadtplanungsamt. Ein Bezug auf die Herkunft müsse schon sein. Nach einigem Hin und Her ist jetzt offensichtlich aber doch ein Kompromiss gefunden worden: "Der Löwe ist aus askanischer Zeit überliefert."

Diese Einigung könnte also den Schlusspunkt unter die mehr als zweijährige Geschichte um die Wiederherstellung der Ende 2009 mutwillig zerstörten Löwenstatue setzen. Die Aufstellung der Figur am Brunnen ist noch in diesem Sommer vorgesehen. Und diesmal wird garantiert nichts dazwischen kommen, denn wie man hört, soll die Tafel mit der umstrittenen Aufschrift bisher nicht in Auftrag gegeben worden sein.

© Bergedorfer Zeitung 2018 – Alle Rechte vorbehalten.