Handwerk

Frauen erobern den Tischlerberuf

Lauenburg. Sägen und schmirgeln auf dem Luxusboot - auch das kann zu Maren Stühffs Beruf gehören.

Als die angehende Tischlerin mit ihren Kollegen eine Motorjacht in Wilhelmshaven ausstattete, war das ein besonderer Einsatzort für die 23-Jährige. Und einer von vielen Gründen, warum sie ihren Job mag. "Ich finde es gut, wenn man am Ende des Tages sieht, was man getan hat", sagt Maren Stühff.

Die junge Frau ist Auszubildende bei der Lauenburger Tischlerei Horstmann. Und sie ist nicht die einzige Frau in dem 15-Mitarbeiter-Betrieb. Die 18-jährige Ann-Kathrin Schacht macht hier ein zehnwöchiges Praktikum. Das Sagen hat ebenfalls eine Frau: Monika Horstmann (42) führt den Betrieb seit 2008.

So wie Maren Stühff und Ann-Kathrin Schacht interessieren sich deutschlandweit immer mehr junge Frauen für den Beruf der Tischlerin. Bundesweit stieg die Anzahl der abgeschlossenen Lehrverträge mit Frauen seit 2005 um 1,2 Punkte auf 9,3 Prozent. Im Bezirk der Handwerkskammer Lübeck gab es 2011 insgesamt 46 weibliche Tischler-Azubis (von 440) und fünf weibliche Zimmerer-Azubis (von 352).

Dass das Interesse der Frauen am Tischlerberuf wächst, kann Monika Horstmann bestätigen. "Wir haben oft Anfragen von Schülerinnen oder Abiturientinnen", sagt sie. In ihrem 1893 gegründeten Familienbetrieb stellt sie gerne Frauen ein. "Sie haben oft mehr Ehrgeiz als ihre männlichen Kollegen. Häufig sind sie sehr fachkundig und geschickt", sagt Horstmann und erinnert sich an ihre eigene Ausbildungszeit. "Ich musste mir den Respekt bei einigen männlichen Kollegen damals erst erarbeiten", sagt sie. Das tat die zierliche Frau auch, indem sie sich schwere Arbeiten nicht abnehmen lies. "Mit gewissen Techniken kann man auch als kleine Frau alles tragen", sagt sie. Dass Frauen Tischlerinnen werden wollen, wundert Monika Horstmann nicht. "Es ist ein schöner Beruf, in dem man viel gestalten kann, Möbel entwirft und sie selbst baut", fasst sie zusammen. Wie bei vielen Berufen merke man auch beim Tischlern oft früh eine Neigung dazu. "Mit acht Jahren habe ich meine eigene Puppenstube aus Holz gebaut", sagt Horstmann. Und Praktikantin Ann-Kathrin Schacht erzählt: "Ich habe immer gerne mein Zimmer umgeräumt und neu gestaltet."

Ein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Azubis fällt Monika Horstmann noch auf. "Die Männer bleiben gerne im Betrieb, Frauen hängen nach der Ausbildung oft noch ein Studium dran", sagt sie. So ist es auch bei Ann-Kathrin Schacht und Maren Stühff. Ann-Kathrin bewirbt sich nach ihrem Praktikum für einen Studienplatz in Innenarchitektur. Maren will nach ihrer Gesellenprüfung Ende Juli Bauingenieurwesen studieren.

Ein bisschen bedauert Monika Horstmann, dass ihre junge Mitarbeiterin geht. "Sie hat hier bei allen Kolleginnen und Kollegen einen Stein im Brett", sagt die Tischlerei-Chefin. Doch wer weiß, vielleicht kommt Maren Stühff in einigen Jahren ja als fertige Bauingenieurin zurück in die Tischlerei. "Vorstellen kann ich mir das gut", sagt sie.