Stadtbücherei

Drohendem Sparzwang zum Trotz

Lauenburg. Über mangelnden Zuspruch braucht sich Bücherei-Chefin Uta Silderhuis nun wirklich nicht beklagen: Immerhin gingen allein im ersten Quartal dieses Jahres 4000 Medien mehr über die Ausleihtheke als im gleichen Zeitraum 2011.

So haben die Diplom-Bibliothekarin und ihr Team auch an diesem sonnigen Nachmittag alle Hände voll zu tun, um den Ansturm zwischen den Regalen zu bewältigen. Diese wackeln und knarren dabei schon mal bedenklich, immerhin halten sie schon rund dreißig Jahre ihrer Bücherlast stand.

Doch an neue Regale ist in naher Zukunft wohl nicht zu denken. Im Gegenteil: Mit den anstehenden Verhandlungen um die Konsolidierungshilfe des Landes sieht Uta Silderhuis auch auf die Bücherei nicht gerade rosige Zeiten zukommen, immerhin zwingt der damit verbundene Sparkurs, alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand zu stellen. Zwar beteiligt sich bisher sowohl das Land, als auch der Kreis mit einem jährlichen Zuschuss von rund 30 000 Euro, dennoch bleibt der größere Teil der laufenden Kosten an der Stadt hängen. "Man hat uns zwar versichert, dass die Stadtbücherei nicht aufgegeben wird, aber uns ist trotzdem klar, dass wir künftig mit finanziellen Einschnitten rechnen müssen", gibt sich die Leiterin realistisch.

Mehr als in der Vergangenheit seien also Ideen gefragt, trotz drohender Sparmaßnahmen die Attraktivität der Bücherei nicht in Frage zu stellen. Uta Silderhuis und ihre drei Mitarbeiterinnen schauen dazu schon mal über den eigenen Tellerrand um zu prüfen, welche bereits bewährten Konzepte aus anderen Städten auch in Lauenburg als zusätzliche Einnahmequellen geeignet sind. "In vielen Kommunen gibt es Bibliotheks-Fördervereine, die sich für die Organisation und Finanzierung von Projekten und Aktionen engagieren", hat die Bücherei-Chefin herausgefunden und gleich ihre Fühler ausgestreckt, ob dies auch in Lauenburg möglich sei. Viel verrät sie noch nicht, nur soviel: "Wir stehen noch ganz am Anfang, aber ich denke, dass sich bald Unternehmen oder Privatpersonen zu einem Förderverein für die Bücherei zusammenfinden. Erste positive Signale gibt es bereits."

Manchmal helfen aber auch der Zufall und ein Quäntchen Glück. So spendete kürzlich ein Berliner der Lauenburger Stadtbücherei einfach so 1000 Euro, weil er eine Erbschaft gemacht hatte und damit Gutes tun wollte. Über seine Nichte, die in Lauenburg lebt, hatte er von der engagierten Arbeit des Bücherei-Teams erfahren und die Mitarbeiterinnen mit dem Geld überrascht. Seitdem warten zwei Sitzsäcke und ein riesengroßer, quietschgrüner Lese-Drache mit roter Nase auf ihren großen Auftritt in der Kinderecke.

* Bevor sich die jüngsten Bücherei-Besucher zum Schmökern an den Drachen kuscheln dürfen, soll er natürlich einen Namen bekommen. Für die originellste Idee gibt es einen Buchpreis. Vorschläge bitte in der Schul- und Stadtbücherei am Weingarten abgeben.