Bewerbungsverfahren

Behinderte in der Warteschleife

Lauenburg. "Ich bin maßlos enttäuscht und stinksauer", fasst Karl-Wilhelm Hinsch seine derzeitige Stimmungslage zusammen.

Der Sprecher der "Interessengemeinschaft Behinderte Menschen in Lauenburg" (IGBML) hatte fest damit gerechnet, dass der Hauptausschuss am Donnerstagabend eine Entscheidung darüber fällt, wer künftig in der Stadt die Interessen von Behinderten und deren Angehörigen vertritt.

Die Einreichungsfrist für das so genannte Interessenbekundungsverfahren endete am 31. März dieses Jahres. Um sicher zu gehen, dass genügend Zeit für eventuelle Rückfragen oder Ergänzungen bleibt, gab Hinsch die Bewerbungsunterlagen bereits am 5. März persönlich in der Stadtverwaltung ab. "Man hat mir versprochen, dass zur Sitzung des Hauptausschusses am 10. Mai eine Entscheidung fällt, die dann in der darauf folgenden Stadtvertretersitzung bestätigt wird", erinnert er sich.

Tatsächlich stand am Donnerstagabend eine Verwaltungsvorlage zur Diskussion. "Das war lediglich eine Sachstandsinformation über die Anzahl der Bewerbungen und die grundsätzliche Bereitschaft der IGBML einen Verein zu gründen", so der zuständige Amtsleiter Thomas Burmester. Eine einzige Bewerbung liege vor. Die Vereinsgründung sei deshalb wichtig, damit die Stadt einen rechtlich belastbaren Vertrag mit der Kontaktstelle für Behinderte eingehen könne. "Dies ist an sich kein Problem", meint Hinsch, wundert sich aber, dass davon nichts in den Ausschreibungsunterlagen stand. Lediglich von einer Einzelperson oder Institution mit Sachkompetenz sei die Rede gewesen. Von der erforderlichen Vereinsgründung habe er kürzlich erfahren und sofort signalisiert, dass die aufwändigen Formalitäten in Angriff genommen würden, sobald die Interessengemeinschaft ein positives, politisches Signal auf ihre Bewerbung erhält. Darauf warteten die Vertreter der IGBML allerdings vergeblich. Die Verwaltungsvorlage wurde parteiübergreifend nahezu unkommentiert zu den Akten gelegt.