Elbe-Lübeck-Kanal

Vom "Sportboot-Kanal" zum lukrativen Verkehrsweg

Lauenburg. "Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lässt uns trotz des großen Interesses in der Region und der Wirtschaft am langen Arm verhungern", sagt Martin Krause von der Industrie- und Handelskammer Lübeck.

Er steht auf dem Steuerstand der Lauenburger Schleuse und blickt auf den Elbe-Lübeck-Kanal, dem er neues Leben einhauchen möchte. Sein Ziel: "Bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans im Jahr 2015 muss der notwendige Ausbau des Kanals berücksichtigt werden."

Krause war Gast eines Informationsgespräches mit Bettina Kalytta, Chefin des Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamtes, zu dem der SPD-Landtagskandidat Olaf Schulze auch die Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn und Sören Bartol, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion, eingeladen hatte.

"Im Fall dieser Wasserstraße haben wir ein Henne-Ei-Problem", konstatierte Bartol. Denn Ramsauer legt den Studien, die vor der Fortschreibung laufen, das jetzige Frachtaufkommen von 700 000 Tonnen pro Jahr zugrunde. Aus Martin Krauses Sicht der falsche Ansatz: "Wenn die jetzigen Schleusen für die gängigen 110-Meter-Schiffe verlängert, das Kanalbett vertieft und die Brücken angehoben werden, ist hier kurzfristig ein Aufkommen von mehreren Millionen Tonnen möglich. Sollte Ramsauer sich bei der Fortschreibung querstellen und auf dem jetzigen Status Substanzerhaltung beharren, lässt er diese wichtige Wasserstraße zu einem Sportbootkanal verkommen."

Angesichts der Tatsache, dass Straßen schon jetzt überlastet sind und das Schienennetz keine weiteren Kapazitäten aufnehmen kann, hat Krause begonnen, Allianzpartner wie den Hafen Hamburg, die Wirtschaftsregion Wolfsburg-Salzgitter und Reedereien mit großen Passagierschiffen ins Boot zu holen, um Druck auf den Verkehrsminister ausüben zu können.

"So lange die Schleusen mit Ausnahme von Lauenburg nur 80-Meter-Schiffe aufnehmen können, die im Übrigen immer weniger werden, bleibt der Kanal für Spediteure uninteressant. Der Transport von Massengütern muss möglich werden, sonst gerät ihre Kalkulation in Schieflage. Und die Logistik ist das Rückgrat unserer Wirtschaft."

Bei den SPD-Politikern stieß er auf offene Ohren: "Die Wasserstraßen allein nach der transportierten Tonnage zu bewerten, ist keine adäquate Grundlage für Prognosen", warnte Schulze. Hagedorn und Bartol schlugen in die gleiche Kerbe: "Die chronische Unterfinanzierung der Wasserstraßen ist in der heutigen Situation der falsche Weg. Die Weichen müssen anders gestellt werden."