Anhörung

Eltern machen ihrem Ärger über die Schulpolitik Luft

Lauenburg (bd). Zwei Stunden lang haben sie interessiert zugehört und geduldig alles notiert, was Kreiselternbeiratsvorsitzender Thomas Waskow auf dem Herzen hatte:

In ihrer Veranstaltungsreihe "Fraktion vor Ort" machte die Kreistagsfraktion der Partei Die Linke Halt in Lauenburg - und angesichts der Fülle der Informationen der Kreiselternvertreter verschob Vorsitzender Michael Schröder eigentlich vorgesehene Tagesordnungspunkte auf einen späteren Termin.

Was Schröder und seine Kollegen hörten, stimmte die nachdenklich: "In solch einer Deutlichkeit hört man die Sorgen und Nöte der Schulen von offizieller Seite nicht", dankte Schröder. Fraktionskollege Manfried Liedke hatte deutliche Kritik parat: "Aus den Schulämtern hören wir immer nur, es sei alles okay". Waskow berichtete aus Sicht der Gemeinschaftsschulen über aktuelle Themen: "Wir unterstützen den erklärten Willen der Schulen in Lauenburg und Büchen, gymnasiale Oberstufen vor Ort zu schaffen." Die Linken stimmten zu: "Nur dort, wo es Angebote gibt, können sie auch genutzt werden."

Im Kreis mache man sich das Leben selbst schwer, kritisierten die Eltern die hohen Kosten der Schülerbeförderung: "Wie haben die schärfste Zuzahlregelung im ganzen Land: Vier-Kinder-Familien liegen leicht bei einem Jahresbeitrag von 1500 Euro nur für Fahrtkosten. Ab der 10. Klasse in vollem Umfang entsprechend mehr. Wer kann seinen Kindern dann noch das Abitur ermöglichen?", fragte Waskow. Und auch an Kreistagsbeschlüssen zur Schulsozialarbeit ließen die Eltern kein gutes Haar: "Schulsozialarbeit darf nicht länger nur Feuerwehr für Brennpunkte sein, sie soll vielmehr präventiv an allen Schulformen arbeiten. Bei einer kreisweiten Quote von einem Schulsozialarbeiter für 4000 Kinder sind Schulträger und Kreis gefordert, endlich genug Geld in die Hand nehmen, um eine vernünftige Arbeit zu ermöglichen", machte Waskow dem Ärger der Eltern Luft. Kritik, die an den Linken abperlte: "Wir sind an ihrer Seite, werden im Kreistag allerdings immer abgeschmettert."

Die hohe Arbeitsbelastung der Gemeinschaftsschullehrer war ein weiterer Kritikpunkt der Eltern: "Wenn engagierte Kollegien versuchen, Unterrichtsausfall zu minimieren, gehen sie nach kürzester Zeit auf dem Zahnfleisch. An einigen Standorten sind 550 Mehrarbeitsstunden angehäuft worden", berichtete Waskow: "Vertretungsfonds sind reines Flickwerk - echte Lehrer kaum zu finden, eine Tatsache, die sich das Ministerium schön redet und ignoriert, dass vielfach Eltern wochenlang einspringen." Die offiziellen Zahlen sprechen von zwei Prozent Unterrichtsausfall, die tatsächliche Quote liege aber bei 10 bis 12 Prozent, wusste Waskow aus einer aktuellen Eltern-Umfrage an Schulen im Kreis zu berichten.