Gutachten

Wer bezahlt Schutz vor den Fluten?

Lauenburg. Immer, wenn wieder einmal ein "Jahrhundert-Hochwasser" die historische Lauenburger Altstadt heimsucht, sind politische Entscheidungsträger der Landesregierung schnell dabei, vollmundige Versprechen der Hilfe abzugeben.

Jetzt legt die Stadt dem Bau- und Planungsausschuss eine Entscheidungsvorlage mit klaren Worten in Richtung Kiel vor: Hochwasserschutz, der nicht auch die privaten Grundstücke einbezieht, wird keine Zustimmung finden. Dass sich die Stadt in dieser Angelegenheit so konsequent hinter die Anwohner stellt, war nicht immer so. Jahrelang wurde über eine Lösung gestritten, im Ernstfall eine Schutzlinie unter Einbeziehung privater Grundstücke zu errichten. Diese Variante scheiterte an mangelnder Zustimmung der Anwohner. "Jeder schützt sich selbst" galt danach lange als einzige Alternative.

"Aus heutiger Sicht wissen wir, dass dieser Vorschlag Gebäude in einem einwandfreien baulichen Zustand voraussetzt. Dies ist aber häufig nicht gegeben", schätzt der Leiter des Stadtentwicklungsamtes Reinhard Nieberg ein.

Trotzdem fand auch diese Variante Eingang in die jetzt vorliegende Machbarkeitsstudie des Hamburger Büros Golder Associates zum Hochwasserschutz. Darüber hinaus legten sie Experten fünf weitere Alternativen vor. Eines ist allen Vorschlagen gemeinsam: Sie kosten viel Geld. Dabei erweist sich die einzige Maßnahme, die durch Anhebung der Promenade auch die elbseitigen Häuser schützen würde, mit 22,4 Millionen Euro Kostenvolumen als absoluter Spitzenreiter. "Das Land hat immer wieder erklärt, dass es diese teure Lösung nicht fördern würde" so Nieberg. Vor dem Hintergrund dieser klaren Absage favorisieren die Hamburger Hochwasser-Experten deshalb das sogenannte Dammbalkensystem. Demnach würden im Ernstfall vor den elbseitigen Häusern mobile Wassersperren eingesetzt. Nachteil: Zwar bleiben bei Hochwasser die Elbstraße und die flussabgewandten Häuser trocken, wer aber auf der anderen Straßenseite wohnt, hat Pech gehabt und muss sich selber schützen. Vorteil: Für diese Variante würde Kiel Fördermittel ausschütten. Die Stadt selbst wäre mit einem Eigenanteil von rund 330 000 Euro dabei. Nieberg weiß, dass die Ablehnung des Landes die einzig umfassende Maßnahme zu fördern, in der Stadt für Zündstoff sorgt: "Es wird diskutiert, ob der Hochwasserschutz nicht grundsätzlich staatliche Aufgabe ist."

Unbegründet ist diese Auffassung nicht: Immerhin schmückt sich Kiel mit der kulturhistorisch wichtigen Lauenburger Altstadt und hat sie als eines von fünf Stadtdenkmalen des Landes erklärt.

Am Montag, 16. April, 19 Uhr, berät der Bau- und Planungsausschuss in der Albinus-Gemeinschaftsschule über die Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz.

"Es wird diskutiert, ob der Hochwasserschutz nicht grundsätzlich staatliche Aufgabe ist."

Reinhard Nieberg - Leiter des Stadtentwicklungsamtes