Umgangsformen

"Der Chinese sagt nie direkt Nein"

Lauenburg. Wenn es um die Jahrtausende alte Kultur im Reich der Mitte geht, verstehen die meisten Europäer nur chinesisch. Dies allerdings auch nur im übertragenen Sinne, denn die ungewohnten Laute der chinesischen Sprache sind für unsere Ohren mindestens ebenso fremd.

"Vor allem aber müssen sich Reisende auf eine ihnen fremde Mentalität der Chinesen einstellen", weiß Bürgermeister Andreas Thiede, der sich bekanntermaßen inzwischen zu einem China-Kenner gemausert hat. Nicht nur in seiner Zeit als Wirtschaftsförderer von Schwarzenbek, sondern auch seit dem er in Lauenburg auf dem Bürgermeisterstuhl sitzt, unternahm er als Kopf der jeweiligen Städteabordnungen mehrere Reisen in das asiatische Land, um dort wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Dass greifbare Ergebnisse bisher weder in Schwarzenbek noch in Lauenburg zu sehen sind, könnte auch daran liegen, dass die Chinesen einen anderen Verhandlungsstil pflegen. Während die Deutschen es gewohnt sind, bei Verhandlungen Klartext zu reden und bei einer scheinbaren Verzögerungstaktik auch schon mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen, umschiffen chinesische Geschäftsleute derartige unangenehme Situationen. Der Leiter der Lauenburger Volkshochschule Tion Lok Gan erklärt das so: "Ein Chinese sagt nicht direkt Nein. Das wäre aus seiner Sicht viel zu unhöflich."

Gan, der in China geboren wurde, kennt die aus westlicher Sicht oft merkwürdigen Sitten und Gebräuche des fernen Landes und weiß auch, dass Europäer schnell in so manches "Fettnäppchen" tappen, wenn sie unvorbereitet nach Fernost reisen. Deshalb bietet die Volkshochschule jetzt einen Kursus "Alles über China" an. Der Titel ist allerdings etwas irreführend: "Wir können nur einen Einstieg in die Geschichte, die gegenwärtigen Alltagsorgen der Menschen und die angebrachten Umgangsformen dieses faszinierenden Landes bieten, der neugierig machen soll", schränkt der VHS-Chef ein. Auch Ausflüge in die traditionelle chinesische Medizin und die fremde Welt der mehr als 15 000 Schriftzeichen sind geplant. Für Bürgermeister Andreas Thiede eine "tolle Sache". Aus seiner Sicht haben die Menschen in Deutschland oft eine unbegründete Unsicherheit im Umgang mit der ihnen fremden Mentalität. "Gerade Geschäftsleute, die Wirtschaftskontakte nach China planen, können sich auf diese Weise auf das Land vorbereiten, dass in vielerlei Hinsicht ganz anders ist, als wir es gewohnt sind." Er selbst hätte seinen Mitreisenden aus Schwarzenbek und Lauenburg vor Antritt der Reise das Taschenbuch mit dem Titel "China-Knigge" empfohlen.

Sein Studium der chinesischen Sitten trägt offensichtlich Früchte. Schon mehrmals war der "große Mann" aus Deutschland auf den Titelseiten chinesischer Zeitungen zu sehen. "Der Bürgermeister von Lauenburg schenkt seinen chinesischen Gästen persönlich den Wein ein", hat sich Thiede eine Bildunterschrift übersetzen lassen.

Übrigens lassen die Chinesen ihr Gegenüber doch nicht ganz im Ungewissen, ob sie eine Sache ablehnen oder nicht. Auch wenn sie nicht direkt "Nein" sagen, erklärt Tion Lok Gan, wie die höflichen Chinesen eine Absage formulieren: "Vielleicht später ..."

Der VHS-Kursus "Alles über China" beginnt am Mittwoch, 18. April, 19 Uhr in der Albinus-Gemeinschaftsschule. An fünf Abenden erhalten die Teilnehmer wichtige Informationen über Land und Leute. Der Kursus kostet 28 Euro. Anmeldungen unter Telefon (041 52) 88 90 47.