Diabetes

Die Spritze ist ständiger Begleiter

Lauenburg. Spritze und Messgerät begleiten Hans-Marius Clausen ständig. Mehrmals am Tag muss sich der 77-Jährige den Blutzucker messen und Insulin spritzen.

"Anfangs war es schon umständlich, aber man gewöhnt sich dran", sagt der Lauenburger. Clausen leidet an Diabetes Mellitus Typ 2, so wie Millionen Deutsche. Noch nie gab es in der Republik so viele Diabetiker wie jetzt. Über acht Millionen sind es laut der Krankenkasse AOK inzwischen - mit steigender Tendenz. Experten schätzen die Anzahl der bisher noch nicht erkannten Diabetiker auf bundesweit bis zu vier Millionen.

In Schleswig-Holstein sind aktuell etwa 260 000 Menschen erkrankt. Und auch im Kreis Herzogtum Lauenburg ist in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Krankheit festzustellen. So hat eine aktuelle Auswertung der AOK Nordwest ergeben, dass die Krankheitshäufigkeit in den Jahren 2004 bis 2009 von 8,3 Prozent auf 9,3 Prozent angestiegen ist. Das ist ein Plus von 12 Prozent. Grundlage der Auswertung sind AOK-Zahlen der Jahre 2004 bis 2009 von Patienten mit der Diagnose Diabetes mellitus Typ 2. "Damit liegt der Kreis Herzogtum Lauenburg zwar etwas unter dem Landesdurchschnitt in Schleswig-Holstein, doch die Tendenz ist weiter steigend", sagt AOK-Sprecher Jens Kuschel. Auffällig ist, dass der Anteil der an Diabetes erkrankten Männer über 60 Jahren zwischen 2004 und 2009 um 15,3 Prozent angestiegen ist, bei den Frauen lag der Wert lediglich bei 9,2 Prozent. Warum Diabetes zunimmt, ist nicht endgültig geklärt. Ärzte und Gesundheitsexperten führen diese Entwicklung vor allem darauf zurück, dass immer mehr Menschen immer früher übergewichtig werden und sich weniger bewegen.

Im Fall von Hans-Marius Clausen war es seine Frau, die den Verdacht schöpfte, dass ihr Mann an Diabetes erkrankt sein könnte. "Er hörte gar nicht mehr auf zu trinken.

Abends hat er unsere ganzen Cola- und Saftvorräte vernichtet", erinnert sich Heidi Clausen (73). "Ich hatte unheimlich viel Durst, drei bis vier Liter habe ich bestimmt jeden Abend getrunken", fügt Hans-Marius Clausen hinzu. Heidi Clausen schleppte ihren Mann schließlich zum Arzt und der stellte Diabetes fest. Das war vor mehr als 15 Jahren. Auch wenn es anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, wie Hans-Marius Clausen erzählt, inzwischen lebt der Rentner mit seiner Krankheit, hat sie in sein Leben integriert: "Anders geht es gar nicht".

Anfangs hatte er noch versucht, durch Abnehmen und mit Tabletten Herr zu werden über den Diabetes. "Aber das hat nicht wirklich geklappt", berichtet Clausen. So kam er zum Insulin. Regelmäßig misst der Lauenburger mit einem kleinen Pieks in den Finger seinen Blutzucker und spritzt sich, je nach Ergebnis, das Proteohormon. "Außerdem versuche ich mich gesund zu ernähren, viel Gemüse, fettarmes Essen, wenig Fleisch und Süßigkeiten sind gut", sagt er. Wichtig außerdem: "Man sollte immer eine Packung Traubenzucker dabei haben, für den Notfall", so Clausen. Einmal hat er bereits eine Unterzuckerung erlebt. "Ich habe schnell reagiert und Insulin gespritzt. Aber das kann gefährlich werden", so Clausen. Ehefrau Heidi Clausen hatte anfangs noch versucht, ohne Zucker zu kochen. "Ich wollte aus dem Rhabarber im Garten Grütze machen, statt Zucker habe ich Süßstoff genommen" erinnert sie sich. Die Folge waren allerdings ernsthafte Magenprobleme. "Inzwischen koche ich wieder ganz normal mit Zucker", so Heidi Clausen. Und ihr Mann, der nach wie vor gerne und oft Städtereisen unternimmt, sagt: "Eigentlich kann man so gut wie alles essen, nur eben in Maßen."

Bei dem Ungang mit der Krankheit geholfen hat dem Ehepaar die Lauenburger Diabetiker-Selbsthilfegruppe, die es seit 1997 gibt. "Wir treffen uns alle zwei Monate und hören Vorträge zu meist medizinischen Themen. Danach sitzen wir noch beisammen", sagt Heidi Clausen, die die Gruppe gemeinsam mit Christina Sykaminidis leitet. Der Leitsatz der Gruppe ist Programm: "Nicht der Diabetes soll uns, sondern wir wollen den Diabetes beherrschen." 30 bis 40 Betroffene aus dem Südkreis kommen regelmäßig zu den Treffen im Café des "Awo-Wohn-Service-Zentrums" am Büchener Weg 8a. Das nächste Treffen ist am Montag, 16. April, um 19 Uhr. Thema: "Insulinpumpen". Informationen gibt es unter Telefon (0 41 53) 5 37 42.

"Man muss die Krankheit in sein Leben integrieren."

Hans-Marius Clausen, Diabetiker aus Lauenburg