Einzelhandel

Alte Wache wieder für Autos öffnen

Lauenburg. 58,6 Millionen Euro Umsatz machen die Einzelhändler in den Lauenburger Geschäften pro Jahr - mit rückläufiger Tendenz. Zu dieser Erkenntnis ist der Gutachter für Einzelhandelsfragen Andreas Gustafsson von der BulwienGesa AG (Hamburg) im Auftrag der Stadt gekommen.

Gustafsson hatte Strukturen des Handels in der Stadt untersucht und kommt zu wichtigen Empfehlungen. Die Alte Wache sollte wieder für den Autoverkehr freigegeben werden, die Erweiterung von "Famila" muss streng geprüft und mit engen Vorgaben versehen werden, es fehlt Tagesgastronomie und die Innenstadt muss konsolidiert werden. Ziel: Mehr Kunden von außerhalb in die Stadt locken.

"Jüngere, mobile und kaufkräftigere Kunden orientieren sich eher außerhalb Lauenburgs", ist eine Erkenntnis des Gutachters. Im Rahmen der Zukunftswerkstatt für die Entwicklung der Lauenburger Oberstadt hatte er ein Einzelhandelsentwicklungskonzept erarbeitet. Eine erste Zusammenfassung präsentierte er jetzt vor etwa 150 interessierten Bürgern.

Nach dem Gutachten der BulwienGesa AG verfügen die Lauenburger Bürger mit einem Index von 87 über eine sehr geringe Kaufkraft. Der Durchschnittswert hat den Index 100. Im Kreis liegt der Wert insgesamt bei 110. "Das macht sich natürlich im Kaufverhalten bemerkbar", berichtete Gustafsson. Nicht umsonst hätte "Mäc Geiz" eine wichtige Funktion in der örtlichen Geschäftswelt. Ziel müsse jedoch eine Steigerung der Qualität der angebotenen Waren in der Innenstadt sein. Deren Kernbereich würde der Gutachter gerne auf das Gebiet zwischen Edeka am Büchener Weg über den Lütten Markt bis hin zur Alten Wache beschränken. "Einzelhandels-Inseln", wie er das Geschäftszentrum rund um den neuen Penny-Markt sowie Aldi und Lidl außerhalb der City nennt, dürfe es künftig nicht mehr zusätzlich geben. "Die Innenstadt verliert aktuell an Akzeptanz, sie braucht Impulse durch Geschäfte ebenso wie ein besseres Erscheinungsbild", erklärt Gustafsson.

Ein Impuls, der dieses Kerngebiet beleben könnte, wäre die Freigabe der Alten Wache für den Autoverkehr. "Die Alte Wache hat die Legitimation als Fußgängerzone längst verloren. Da ist niemand mehr, der vor den Autos geschützt werden müsste. Und wenn Autos einfahren dürften und Kurzzeitparkplätze nutzen könnten, wäre das vielleicht eine Chance, dass in leere Geschäfte Händler einziehen", meint Gustafsson.

Seine Berechnung hat ergeben, dass es in Lauenburg Einzelhandelsflächen von 18 800 Quadratmetern gibt. Zusätzliche 3800 Quadratmeter könnten sich rechnen, schätzt er. Unter anderem wäre Bedarf für 1300 Quadratmeter Einrichtungsbedarf, 1000 Quadratmeter Bauen und Garten. 540 Quadratmeter Elektro und Technik sowie 370 Quadratmeter mit Mode. "Filialisten würden nach Lauenburg kommen, allerdings muss das Objekt stimmen", sagt Gustafsson. Und das sei aufgrund vieler kleiner Einheiten eher schwierig.

Andreas Gustafsson rät der Politik, dass sie alle Anstrengungen unternehmen müsse, um Edeka am Büchener Weg zu halten. Ohne diesen wichtigen Baustein würden der City noch mehr Kunden verloren gehen. Im Gegenzug dürfe die Erweiterung von Famila am Stadtrand nicht dazu führen, dass dort noch mehr für die City relevante Waren ins Sortiment kommen. Denn noch verbindet ein Drittel der Kunden von Famila seinen Einkauf mit einem Einkauf auch in der Innenstadt. Gustafsson: "Der Handel wird sich anstrengen müssen, um aus dem Umland Kunden zu locken." Die würden mit höherer Kaufkraft zu einer Stärkung der Funktion der City mit anspruchsvolleren Geschäften beitragen können. Erwartet werden im Gegenzug aber auch gastronomische Angebote, um den Aufenthalt attraktiver zu gestalten.