Versammlung

Bei den Kleingärtnern hängt der Haussegen schief

Lauenburg. Von Schreberidylle mit Rosenzucht und Gemüseanbau kann im Kleingärtnerverein Lauenburg derzeit keine Rede sein. Gründe sind ein Einbruch in das Vereinsheim und eine plump gefälschte Überweisung von 5211,20 Euro, die bei der Kreissparkasse bedauerlicherweise nicht erkannt worden war (wir berichteten).

Die Polizei ist eingeschaltet, um den Einbruch und den Tatbestand einer Urkundenfälschung aufzuklären. In einer turbulenten Mitgliederversammlung mit Rechtsanwalt Wolfgang Schnur, der vom Vorstand zur Unterstützung eingeladen worden war, verweigerten die 1. Kassenprüferin Anja Ostrowicki und ihr Mann Hans-Jürgen Klau, Ersatzprüfer und ehemaliger Vereinsvorsitzender, dem Vorstand die Entlastung. Die übrigen 57 Mitglieder folgten jedoch dem zweiten Kassenprüfer Siegfried Bergmann und gaben grünes Licht für den Vorstand.

Ob es sich um einen bösen Streich handelt oder ob der Vorstand absichtlich in Misskredit gebracht werden soll, kann sich Vorsitzender Karsten Borchardt nicht erklären. Er informierte die Schreber, dass Kassenwartin Martina Hops für die Rückführung der gefälschten Überweisung gesorgt hat.

Damit sei allerdings der Urheber des mit einem vereinseigenen Überweisungsträger vorgenommenen Transfers noch nicht gefunden und der Einbruch nicht aufgeklärt. Jurist Schnuhr berichtete, dass die Lauenburger Polizei noch keine Spur von dem Einbrecher habe, aber bei Nachfragen "peinlich berührt" reagieren würde.

Das Ehepaar Ostrowicki/Klau hatte ihre Entlastungsverweigerung mit dem Fehlen von Belegen begründet. "Mir sind nur einige indiskutable lose Seiten vorgelegt worden", sagte Anja Ostrowicki und hielt drei kopierte DIN-A4-Blätter hoch.

"Ich weiß nicht, vorher sie diese Seiten haben will. Von mir jedenfalls nicht", wunderte sich Martina Hops. Ebenso verwundert war Kassenprüfer Siegfried Bergmann: "Ich habe Ordner und Belege als Grundlage der einfach geführten Buchhaltung vorgefunden und geprüft. Beanstandungen hat Martina Hops in der ihr gesetzten Frist bereinigt. Ich kann grünes Licht für die Entlastung geben", so Bergmann. Auch ein nachträglich eingeschaltetes Steuerberatungsbüro habe eine korrekte Buchführung und vollständige Belege bescheinigt.

Bevor die Situation mit Mutmaßungen und verletzenden Bemerkungen an Brisanz zunahm, beantragte Bergmann, die Versammlung über die Entlastung entscheiden zu lassen. Bis auf das Ehepaar Klau/Ostrowicki stimmten alle Anwesenden für den Vorstand.

Rechtsanwalt Wolfgang Schnuhr zog nach der Sitzung sein persönliches Fazit: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Friedrich Schillers legendärer Ausspruch trifft offensichtlich auch heute noch zu."