Ämterlotsen

Hochbetrieb im ToM, aber Däumchen drehen im Schloss

Lauenburg (bm). Während sich donnerstags vor der Sprechzimmertür von Susan Denda im Nachbarschaftstreff ToM lange Warteschlangen bilden, haben Burkhard Blancke und Anka Festersen im Schloss oft Zeit zum Däumchen drehen:

Sie sind montags für Ratsuchende in der Verwaltung anzutreffen, wollen helfen, wenn Bürokratendeutsch und Antragsdschungel das Leben schwer machen - doch die Sprechstunden in der Innenstadt werden bislang kaum genutzt. "Deshalb gehen wir noch einmal offensiv in die Öffentlichkeit, damit alle von unserem Angebot erfahren", sagt Festersen.

Die drei Ämterlotsen sind seit Herbst vergangenen Jahres Ansprechpartner, Unterstützer und Begleiter bei Behördengängen. Ausgebildet wurden sie in Seminaren des Diakonischen Werks - mussten viele Fallbeispiele und Paragrafen durchackern, um auch im Umgang mit Ausländerbehörden Hilfe anbieten zu können. Ihr Angebot für Ratsuchende kostenlos, die Vorgänge werden vertraulich behandelt. Um für alle Bürger gut erreichbar zu sein, haben sie zwei Standorte für die erste Kontaktaufnahme gewählt.

Vor allem nach der "niederschmetternden Absage" der Arge, die in Lauenburg weder Sprechzeiten noch eine Dependance anbieten will, bieten die Ämterlotsen ihr Angebot als "Übergangslösung" an: "Wir helfen bei Schwierigkeiten, wenn Anträge ausgefüllt werden müssen, denn die Formulierungen sind oft missverständlich. Wir begleiten gern auch ins Jobcenter oder zu anderen Behörden." Den Grund für die Hemmschwellen im Umgang mit Behörden kennt Susan Denda: "Bei der Antragsstellung muss man gewaltig die Hosen runterlassen, viele Einblicke ins Privatleben geben. Außerdem sind die Anträge selten weniger als 14 Seiten dick."

Den meisten Klienten sei ein Besuch bei den Ämtern doppelt peinlich. "Zur Tatsache, den Alltag nicht allein hinzukriegen, kommen dann auch noch die Schwierigkeiten beim Ausfüllen der Anträge", zeigen die Ämterlotsen in Gesprächen mit den Betroffenen Verständnis: "Es ist aber auch wirklich schwierig, nicht umsonst mussten wir in der Fortbildung viel pauken."

Immer für sechs Monate ist der Bezug von Leistungen garantiert, danach müssen Weiterbewilligungsanträge ausgefüllt werden. Für das Bildungs- und Teilhabepaket gebe es gar keine Norm, jeder Antrag sei individuell, mit individuellen Laufzeiten. Das mache die Sache auch für die Ämterlotsen nicht einfacher: "Immerhin sind wir keine Verwaltungsmitarbeiter sondern ganz normale Bürger."

Wenn alles richtig ausgefüllt sei, fließe die finanzielle Hilfe aber sehr schnell, versichert Denda. Als Beispiel nennt sie Mütter: "Frisch getrennt, ohne Perspektive, meist mit kleinen Kindern, erhalten sie schon wenige Tage nach Antragsstellung erste Hilfen, auch Lebensmittelgutscheine. Man steht in unserem Land nicht alleine da, muss nur wissen, wo es Hilfe gibt. Und dafür sind wir da."

Anka Festersen und Burkhard Blancke sind montags von 10 bis 12 Uhr im Schloss, Zimmer 7 vor dem Magistratssaal zu sprechen. Susan Denda ist donnerstags von 10 bis 13 Uhr im ToM am Moorring 19c erreichbar. Meist verlängert sie ihre Sprechzeit regelmäßig um zwei Stunden, um allen Wünschen gerecht zu werden.