Naturbeobachtung

Schwarzkittel sind nicht ungefährlich

Lauenburg. In Gesprächen mit Jugendlichen über heimische Wildarten nimmt das Schwarzwild einen besonderen Rang ein, da schwingt Abenteuerliches mit. Sind Wildschweine gefährlich, und wo bringen die weiblichen Schweine eigentlich den Nachwuchs zur Welt?

Und die ehrliche Antwort, dass die Frischlinge in einem Nest zur Welt kommen, wird angezweifelt, mit der Vermutung: "Der will uns wohl Märchen erzählen."

Also muss die Sache mit dem Nest wohl näher erklärt werden. Bei den Wildschweinen sind die Nester natürlich nicht oben auf den Bäumen, sondern sie liegen, im Wald versteckt, auf der Erde. Solch ein Nest ist etwa zwei mal zwei Meter groß, und es ist mit Moos, Laub und welken Farnkräutern gepolstert. Darüber schichten die Wildschweine recht geschickt viele Zweige als Seitenschutz und Bedachung auf. Die Frischlinge, die überwiegend im März/April zur Welt kommen, werden von den Bachen und Keilern bewacht und gegen Eindringlinge verteidigt. Keiler erreichen Gewichte bis zu 180 Kilogramm, ihre Eckzähne können sie als starke Waffen einsetzten.

Schießen die Jäger zu viele Wildschweine? Fachleute gehen eher vom Gegenteil aus, denn bei aller Bewunderung des "wehrhaften Wildes" darf nicht übersehen werden, dass Schwarzwild erhebliche Schäden auf landwirtschaftlich genutzten Feldern und Wiesen anrichtet. Auch stadtnahe Parkanlagen, Parkplätze und waldnahe Gärten werden "heimgesucht".

Die Jagdstrecke 2010/11 betrug bundesweit etwa 586 000 Wildschweine, Schleswig-Holstein meldet 16 092, davon übrigens 646 Stück Fallwild, im Straßenverkehr getötete Tiere - oft verbunden mit erheblichen Verletzungen und Todesfällen von Fahrzeuginsassen. Der Kreis Herzogtum Lauenburg steht mit einer Jahresstrecke von 4692 Wildschweinen landesweit an erster Stelle.

Und eine besondere Frage musste ja kommen. "Sind Wildschweine gefährlich?" Es wäre leichtfertig, diese Frage zu verneinen. In die Enge getrieben, können Wildschweine durchaus gefährlich werden. Dazu ein Beispiel. Ein Frischling hatte sich in einem Zaun, der eine Schonung schützte, verfangen. Mit wenigen Griffen konnte ich das Schweinchen befreien, und ich nahm die Chance wahr, ein kleines Wildschwein ganz aus der Nähe zu betrachten. Nach wenigen Minuten näherte sich das Mutterschwein, die Bache, wohl nicht in friedlicher Absicht. Schnell setzte ich den Frischling über den gut meterhohen Zaun. Kurz darauf entfernte sich die Bache mit ihrem Nachwuchs.

Ich gebe gern zu, dass ich mich beim Näherkommen der Bache nach einer dickenEiche als Deckung umgesehen hatte.