SPD

Bald "trockene Luft" auf dem Ruferplatz?

Lauenburg. Eine verlockende Vorstellung bei diesem Schmuddelwetter: Bei 25 Grad im Schatten auf dem Ruferplatz ein "kühles Blondes" genießen. Aber diese Freude könnte schon bald getrübt werden.

Im Sommer finden Passanten ohne Durst auf dem Ruferplatz kaum einen Platz, meint die SPD und will das ändern.

Auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Öffentliche Einrichtungen, Wirtschaft und Tourismus stellte die SPD-Fraktion schon zum zweiten Mal den Antrag, die Bewirtschaftung auf dem Ruferplatzes einzuschränken. Hans-Peter Iversen (SPD) begründete das Ansinnen der Sozialdemokraten damit, "dass der Platz ursprünglich nicht als Ausschankplatz geplant war. Außerdem wäre es vorgekommen, dass Spaziergänger, die einfach mal ausruhen wollten, genötigt wurden, entweder etwas zu bestellen, oder den Platz an den Tischen zu räumen". Diese Erfahrung hat auch Renate Peters gemacht. Sie habe im Sommer beobachtet, dass eine Senioren- Reisegruppe aus Dithmarschen, die auf die Kaffeetafel auf dem Ausflugsdampfer wartete, barsch des Platzes verwiesen wurde, als sie nichts bestellen wollten. "Das ist doch für eine Stadt, die Touristen anlocken möchte, beschämend", empört sich die Rentnerin aus Lauenburg.

Die Bewirtschaftung des Platzes teilen sich die Wirte vom Restaurant "Zum Rufer" und zum "Alten Brau- und Brennhaus". Im Sommer säßen an einem Wochenende bis zu 1000 Gäste auf der Terrasse, so Uwe Melzner, der "Rufer-Wirt". "Wenn das Sommer-Geschäft wegbricht, kann ich den Laden dichtmachen und die drei Servicekräfte für die Terrasse entlassen", so seine deutliche Antwort auf das Ansinnen, die Bewirtschaftung zu reglementieren. Ähnlich sieht es der Wirt vom Brauhaus, Rainer Staneck: "Bei mir stehen fünf Arbeitskräfte vor dem Aus, wenn die Bewirtung auf dem Ruferplatz eingeschränkt wird." Staneck hat eine ganz eigene Meinung darüber, was sich die SPD bei der Antragstellung gedacht hat: "Hier wird ein Problem herbeigeredet, das es eigentlich gar nicht gibt, um sich nicht mit wichtigeren Dingen beschäftigen zu müssen."

Auch Bürgermeister Harald Heuer hat kein Verständnis für die Bestrebungen, die Bewirtungsrichtlinien auf Lauenburgs bekanntestem Platz zu verändern. Er zog während der Ausschusssitzung die Notbremse und brachte stattdessen einen eigenen Antrag durch. Demnach solle die Verwaltung mit den beiden Wirten reden, so dass künftig auch die Passanten an den Tischen Platz nehmen dürfen, die ihre Brötchen mitgebracht hätten oder gar nichts verzehren wollten.

"Natürlich haben wir nichts dagegen, wenn sich eine alte Dame mal kurz ausruhen möchte, aber wir brauchen volle Tische mit zahlenden Gästen im Sommer, um den Winter wirtschaftlich zu überstehen", so der Brauhaus-Chef.

Sauer sind Staneck und Melzner darüber, dass sich bisher kein Politiker mit ihnen an einen Tisch gesetzt habe. "Alle haben vor der Wahl groß rumgetönt, den Mittelstand stärken zu wollen. Bei uns stehen Existenzen auf dem Spiel."