Glinde

Bürgermeister erzürnt über BI-Sprecher

Altes Gleisdreieck: Initiative will Einsicht in Kaufverträge - Politik und Verwaltung fühlen sich belästigt

Zwischen den Glinder Stadtvertretern und der Bürgerinitiative (BI) gegen den Wohnpark Altes Gleisdreieck ist bereits ein heftiger Streit entbrannt. Persönliche Angriffe von BI-Sprecher Michael Riedinger stünden für die Politiker schon auf der Tagesordnung, sagt Stadtvertreter Wolfgang Pohlmann (SPD): "Wir fühlen uns belästigt und haben den Kontakt zu Herrn Riedinger kollektiv eingestellt." Nun reicht es auch Bürgermeister Rainhard Zug.

"Ich werde diese Art der Kommunikation nicht mehr hinnehmen", betonte der Verwaltungschef am Donnerstag auf der Sitzung des Bauausschusses, nachdem er eine an ihn gerichtete E-Mail Riedingers vorgelesen hatte. In dieser fordert Riedinger die Herausgabe von dem Grundstückskaufvertrag für das Alte Gleisdreieck und beruft sich dabei auf das Informationszugangsgesetz (IZG). Weiter heißt es in dem Schreiben an Zug, er werde unverzüglich den schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten einschalten, "sollten Sie Ihrer Herausgabeverpflichtung nicht nachkommen".

Konkret geht es der BI darum, den Bau von 153 Wohneinheiten - davon 60 Prozent öffentlich gefördert - auf dem Alten Gleisdreieck zu verhindern. Auf 2,1 Hektar plant das Wohnungsbauunternehmen Semmelhaack, sieben Gebäude zu errichten. Den Bebauungsplan für das 20-Millionen-Euro-Projekt will die Politik in den kommenden Monaten beschließen.

"Ich habe Herrn Riedinger mitgeteilt, dass er sachlich falschliegt", sagt Bürgermeister Zug. Die Stadt dürfe die Verträge nicht herausgeben, da diese Privatpersonen beträfen. "Wir stellen den Kontakt zu Herrn Riedinger weitgehend ein." Der sieht das anders und bemängelt die mangelnde Transparenz der Planungen. "Es ist offiziell noch nichts entschieden. Aber die Politik will das Thema allein durchwinken."

Wie verhärtet die Fronten sind, zeigte bereits die vorangegangene Auseinandersetzung zwischen der BI und dem Stadtvertreter Jan Schwartz (Grüne). Nachdem Unbekannte vorbereitende Arbeiten am Alten Gleisdreieck sabotiert und einen Schaden von über 20 000 Euro verursacht hatten, schrieb der Grünen-Stadtvertreter an die BI: "Was halten Sie eigentlich davon, dass auf dem Gelände des Gleisdreiecks zum wiederholten Mal von Unbekannten die Markierungen für das Bauprojekt entfernt wurden? Wäre es nicht auch in Ihrem Interesse, dass in Ihrer Nachbarschaft keine Rechtsverstöße geschehen?" Riedinger fühlte sich dadurch in die Ecke gedrängt. "Er beschuldigt uns des Diebstahls", entrüstet sich der BI-Sprecher.

Auch die Vorwürfe des Stadtvertreters Wolfgang Pohlmann relativiert Riedinger. "Ich drohe und greife niemanden an. Ich nehme bloß mein Recht als Bürger wahr und versuche, an den Bauplanungen teilzuhaben."