Martina Denecke-Interview

"Ich habe nichts falsch gemacht"

Oststeinbek. Seit Monaten steht Bürgermeisterin Martina Denecke (43) im Kreuzfeuer der Kritik. Jetzt haben ihre Gegner noch schärfere Geschütze aufgefahren und wollen ein Abwahlverfahren einleiten.

In nur vier Tagen haben sich bereits 850 Oststeinbeker dafür ausgesprochen. Wie kommt das im Rathaus an, fragte unsere Redakteurin Undine Brandt die Bürgermeisterin.

Wie haben Sie von der Initiative zu Ihrer Abwahl erfahren?

Martina Denecke: Am Sonnabend aus der Presse. Und ich muss schon sagen, dass ich etwas überrascht war, weil die Politik noch vier Tage zuvor beteuert hat, dass für sie so ein Verfahren nicht infrage kommt. Die Unterschriften sammeln nun zwar Bürger. Initiiert und unterstützt wurde und wird das Verfahren aber von der Politik.

Was wollen Sie jetzt tun, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen? Wie wollen Sie das Ruder noch einmal herumreißen?

Ich würde es sehr bedauern, wenn sich die Bürger für ein solches Verfahren aussprechen würden. Im Falle eines Falles würde ich es aber neutral begleiten. Konkrete Schritte, wie ich das Vertrauen zurückgewinnen kann, werde ich nach und nach planen.

Derzeit sieht es fast so aus, als ob genügend Unterschriften zusammenkommen und ein Abwahlverfahren zustandekommt. Wenn sich die Oststeinbeker am Ende doch für Sie entscheiden, wie wollen Sie das Vertrauen der Politik zurückgewinnen?

Das ist dann wohl eher die Aufgabe der Politik. Schließlich habe ich das Verfahren nicht initiiert. Aber auch dann steht meine Tür weiter offen und ich bin zu einer weiteren Zusammenarbeit bereit. Meine Hoffnung ist, dass wir dann eine gemeinsame Richtung einschlagen. Ein Mediator könnte dabei helfen.

Was machen Sie, wenn sich die Bürger bei einer Abwahl gegen Sie entscheiden?

Das lasse ich auf mich zukommen.

Wie konnte es aus Ihrer Sicht so weit kommen? Sind die Oststeinbeker besonders schwierig?

Das kann ich nicht beurteilen. Sie selbst aber behaupten von sich, dass sie lange brauchen, um sich an neue Menschen zu gewöhnen. Hinzu kommt, dass mein Vorgänger lange im Amt war und gute Arbeit geleistet hat. Allerdings kann niemand erwarten, dass trotz eines Personalwechsels im Rathaus alles so bleibt, wie es ist. Jeder löst die Probleme anders und sollte seinen Stil, seine Persönlichkeit in das Amt mit einbringen können.

Liegt es vielleicht auch daran, dass Sie eine Frau sind und es Ihnen besonders schwer gemacht wurde?

Ich selbst mag das nicht behaupten. Von anderen Frauen in der Gemeinde habe ich aber gehört, dass sie die Situation durchaus so einschätzen: Die Politik habe geglaubt, dass diese blonde, attraktive Frau leicht zu lenken sei. Dass sie aber qualifiziertes Fachwissen und eine eigene Meinung mitbringen könnte, damit habe sie nicht gerechnet - so die Meinung von Bürgerinnen.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal von vorn beginnen könnten?

Nichts. Sonst würde es ja bedeuten, ich hätte etwas falsch gemacht. Auf die Frage eines Bürgers in der jüngsten Gemeindevertretersitzung, was man mir konkret vorwirft, blieb die Politik eine Antwort schuldig. Ich kann nur sagen, dass mein Start nicht leicht war. Denn mit meinem Vorgänger ist auch der damalige langjährige Hauptamtsleiter gegangen. Das Fachwissen von zwei kompetenten Menschen war auf einen Schlag verschwunden. Ein neuer Hauptamtsleiter, der dieses Fachwissen aufgefangen hätte, ließ sich leider nicht finden. So musste ich ohne die dringend erforderliche Unterstützung auskommen und Arbeiten auffangen, die sonst nicht zu meinen Aufgaben gehören, wie die Urlaubsplanung des Hauses. Mittlerweile ist die Stelle im Personalamt wieder besetzt und ich von einigen Aufgaben entbunden.

Haben sich Ihre Erwartungen an das Amt erfüllt?

Bevor ich offiziell anfing, habe ich bereits viele Wochen in der Gemeinde verbracht, habe Ausschüsse besucht, mit Bürgern gesprochen und mir von meinem Vorgänger Abläufe erklären lassen. Damals versicherten mir alle, dass die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung sehr gut laufe, man gemeinsam nach Lösungen suche. Doch sobald ich im Amt war, drehte sich der Wind, in den Ausschüssen wurde ich zerfleischt und öffentlich angegriffen. Doch leider haben die Beteiligten nicht mit mir, sondern immer nur über mich in der Presse gesprochen. Das ist nicht der Stil, den ich mir wünsche und den man erwarten kann, wenn man gemeinsam für das Wohl des Ortes arbeitet. Ich habe immer wieder betont, dass ich für Gespräche offen bin. Auch heute noch.

Würden Sie heute noch einmal zur Wahl antreten?

Ja. Ich habe bereits am Anfang gesagt, dass das eine Tätigkeit ist, die ich wegen ihrer Vielschichtigkeit der Bereiche wie Bauhof, Finanzen, Kulturveranstaltungen, Absprachen mit dem Kreis, Ehrungen und Geburtstage schätze. Kein Tag ist gleich. Es spricht nichts gegen eine erneute Wahl.

Was macht für Sie einen guten Bürgermeister aus?

Keiner gleicht dem anderen. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen, deshalb kann ich auch nicht sagen, was einen guten Bürgermeister ausmacht. Für mich darf er nicht aalglatt sein, muss jeden gleich behandeln, die Kuchenstücke gerecht verteilen, auch, wenn es Widerstand gibt.

Wie geht es Ihnen derzeit? Können Sie noch gut schlafen?

Naja, ich stelle mich jeder Situation, auch wenn sie noch so schwierig ist. Ich nehme alles ernst und setze mich mit jedem auseinander. Mein Schlaf leidet darunter aber nicht.