Amtsgericht

Trotz "Täter-Training" wieder ausgerastet

Glinde (gr). "Sagen Sie mir doch gleich, wie lange ich einsitzen soll", forderte Markus F. die Richterin auf. Vor dem Amtsgericht Reinbek wurde gegen den 36-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung verhandelt.

In Glinde soll er seine frühere Lebensgefährtin auf offener Straße gewürgt, zu Boden gerissen und dann noch auf sie eingetreten haben. Es ging um einen Wohnungsschlüssel. F. wollte ihn nicht zurückgeben, nachdem er aus der gemeinsamen Wohnung rausgeflogen war.

Er selbst schätzte seine Chancen auf eine Bewährungsstrafe offenbar sehr gering ein, denn nur ein halbes Jahr vor dem gewalttätigen Ausraster hatte dieselbe Richterin ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Im Vorstrafenregister fanden sich sechs weitere Eintragungen, fast immer hatte der Alkohol dabei eine Hauptrolle gespielt. Auch bei der Tat in Glinde war Markus F. nach eigener Aussage schwer angetrunken: "Ich hatte die ganze Palette in mich reingeschüttet, dazu noch Hasch und Koks."

Wie es mit dem Alkohol stehe, wollte die Richterin wissen. "Nichts mehr, es reicht, ich mache um jede Kneipe einen Bogen", so der Angeklagte. "Und wie ist es mit Drogen?" "Auch vorbei, nur ab und zu mal einen Joint zur Beruhigung."

Der Fall in Glinde war schon einmal verhandelt worden. Damals wollte das Gericht es mit einem "Täter-Training" versuchen und F. dafür ohne Strafe davonkommen lassen. Doch die Trainingsleiterin hatte ihn hinausgeworfen, weil er sich konsequent nicht an die Spielregeln hielt.

Diesmal ging es härter zur Sache: Vier Monate Freiheitsstrafe, noch einmal auf Bewährung. Nur die sichere Aussicht auf einen Arbeitsplatz rettete F. am Ende vor dem Gang ins Gefängnis.