Bilanz

Weichen für die Kultur gestellt

Glinde/Bad Oldesloe. Ihre Markenzeichen: roter Lippenstift und ein rasantes Tempo. Das legt Kreiskulturreferentin Dr. Friederike Daugelat nicht nur beim Sprechen vor, sondern auch im Job.

Die Südstormarner kennen sie vor allem durch die gemeinsame Aktion mit dem Rowohlt-Verlag "Stormarn liest ein Buch" und durch die Verleihung des ersten Stormarner Kulturpreises. Doch jetzt verlässt die 36-Jährige Stormarn, um die Leitung des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm zu übernehmen.

"Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt sie. Einerseits freue sie sich, wieder langfristig strategisch an Projekten zu arbeiten, was ihr mehr liege. Andererseits habe sie ein enges Netz mit vielen Kulturschaffenden geknüpft, das sie jetzt zurücklassen muss.

Zum Abschied zieht sie mit unserer Redaktion jedoch eine positive Bilanz. Denn in nur zwei Jahren konnte sie viel bewirken. Auf Daugelats Konto gehen schon aus ihrem ersten Jahr ein Führer, der eine Übersicht über Stormarns Museen gibt, die Stormarner Kirchenmusiktage im Herbst 2012, die Overbeck-Ausstellung, eine der erfolgreichsten Präsentationen im Ahrensburger Marstall mit 2500 Besuchern, sowie das Stormarner Kinderatelier - eine Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle.

Ein Volltreffer war die Aktion "Stormarn liest ein Buch". Denn schon bevor Eugen Ruges Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" den Deutschen Buchpreis 2011 erhielt, hatten sich die Stormarner für diesen Roman entschieden. "Und dann sitzt der Verlag, Rowohlt, auch noch im Kreis Stormarn - ein Glücksfall", stellt Daugelat fest. 80 Veranstaltungen in drei Wochen konnte sie selbst auf die Beine stellen. "Ich war überwältigt, wie viele Türen sich geöffnet haben", erzählt Daugelat. "Die Stormarner verfielen regelrecht in ein Eugen-Ruge-Fieber."

Daugelats interdisziplinärer Ansatz, bei dem sie vorhandene, lose Fäden Kulturschaffender aufnahm, sie verknüpfte und zu einem spannenden Begleitprogramm verwob, sprach nicht nur viele Menschen an, die sich sonst weniger für Kultur interessieren, sondern überzeugte auch die Politik. "Dr. Friederike Daugelat hat der Kultur in Stormarn eine andere Richtung gegeben und sehr viele Stormarner mitgerissen", lobt Kreistagspräsidentin Christa Zeuke (CDU). Die Mitglieder des Kreistages stellten die Weichen für die Kultur: Durch den Zusammenschluss "Arbeitsgruppe Stormarn kulturell stärken" mit drei verschiedenen Stiftungen gibt es erstmals eine gute finanzielle Grundausstattung für die Kultur. Die Politik bewilligte eine Volontariatsstelle und den Stormarner Kulturpreis, dotiert mit 3000 Euro. "Das war ein wichtiges Signal für Stormarns Kultur", so Daugelat.

Auch für ihre Nachfolgerin, eine 41-Jährige, deren Name noch nicht genannt wird, hat sie das Feld bereitet: Geplant sind für 2013 eine Ausstellung des Expressionisten Wenzel Hablik, eine Kulturkonferenz, eine Ausstellung des amerikanischen Künstlers Holmead im Marstall im Rahmen des Kirchentages sowie für 2014 eine Neuauflage der Kultur- und Geschichtstage unter dem Thema "Stormarn und Dänemark". Daugelat hat beobachtet: "Stormarn steckt voller Kulturschätze, die nur darauf warten, gehoben zu werden."