Alte Wache

Im Gewerbegebiet hat die große Leere bald ein Ende

Glinde. Wenn Sabine und Joachim Kröplin in der Pause mit einer Tasse Kaffee vor ihrer Produktionshalle stehen, reicht ihr Blick über weite Sandflächen. Das Ehepaar gehört zu den ersten Unternehmern, die ein Grundstück im neuen Gewerbegebiet gekauft haben.

Mit ihrem Familienbetrieb Feinwerktechnik-KFM sind sie vor vier Monaten von Reinbek nach Glinde gezogen. Im August haben sie auf 1350 Quadratmetern eröffnet, nach dem nebenan liegenden Autozentrum. Seitdem konstruieren und fertigen drei Mitarbeiter in der Produktionshalle mechanische Bauteile. Drumherum ist noch viel freie Fläche, die zum größten Teil verkauft ist. "Wir warten jeden Tag darauf, dass es hier weiter geht", sagt Sabine Kröplin.

Noch etwas Geduld müssen die Kröpelins aufbringen: Neue Nachbarn werden wahrscheinlich erst im nächsten Frühjahr dazukommen. Direkt gegenüber an der Ing.-Honnef-Straße entsteht gerade auf rund 780 Quadratmetern Fläche ein kleines Hotel. Am Ende der Straße an der Grenze zum Oher Weg haben Bauarbeiter auf 3300 Quadratmetern mit dem Ausmessen der neuen Kita begonnen. "Im Frühjahr kommenden Jahres wird in das Gewerbegebiet Bewegung kommen", sagt Frank Oehlke, Vertriebsleiter der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Alte Wache. Viele Gewerbebetriebe, die sich ein Grundstück gesichert haben, stecken mitten in den Planungen. Dazu zählt ein zweiter Kfz-Händler sowie das Glinder Autohaus AutoNova, das sich hier um rund 2500 Quadratmeter erweitern möchte, ein Keks-Großhändler, eine Sattlerei, ein Kunststoff verarbeitendes Unternehmen, ein Sanitärhandel sowie eine Druckerei.

Von insgesamt 5,8 Hektar sind rund 62 Prozent, 3,6 Hektar, verkauft, weitere 0,7 Hektar sind reserviert. "Mit diesem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden", sagt Oehlke. Die Nachfrage sei von Anfang an gut gewesen und lasse auch nicht nach.

Besonders gefreut habe ihn, dass einer der größten Motorradteile-Händler Hamburgs seinen Firmensitz nach Glinde verlegt und sich mit rund 9000 Quadratmetern das größte Grundstück gesichert hat. Die bisher kleinste vergebene Fläche an einen Gerüstbauer beträgt 725 Quadratmeter.

Lediglich der Verkauf der Grundstücke, die an die Wohnbebauung an der Arthur-Christiansen-Straße grenzen, läuft noch etwas schleppend. "Das liegt zum einen daran, dass produzierendes Gewerbe die Nähe zu Wohnhäusern scheut und die Grundstücke etwas teurer sind als andere", so Oehlke. 115 Euro kostet hier der Quadratmeter. Die Grundstücke sind ideal für Interessenten, die Wohnen und Arbeiten unter einem Dach vereinen wollen. Wer nur dort wohnen will, erhält eine Absage. Dafür sind die Preise wiederum zu niedrig. Im angrenzenden Wohngebiet war der Quadratmeter mit 220 Euro fast doppelt so teuer. Bisher haben sich drei Unternehmen für die kombinierte Variante Wohnen und Arbeiten entschieden: eine Dachdeckerei, ein Bau- sowie ein Tiefbauunternehmen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass auch die restlichen 1,5 Hektar bald verkauft sind", so Oehlke. Das derzeitig günstige Zinsniveau und die gute Infrastruktur in Glinde mit der Anbindung an die Autobahn stimmen ihn zuversichtlich. Ein Pluspunkt, gerade für Unternehmen aus Hamburg, ist auch der niedrigere Gewerbesteuerhebesatz und die Hamburger Telefonvorwahl.

All das hat auch Sabine und Joachim Kröplin überzeugt. Bereut haben sie ihre Entscheidung bislang nicht. Einziger Wermutstropfen: Die Ing.-Honnef-Straße taucht weder in Straßenkarten noch in Navigationsgeräten auf. Ohne eine exakte Wegbeschreibung würden ihre Lieferanten lange suchen müssen.