Zusammenarbeit

"Spione" sorgen für Eklat im Rathaus

Oststeinbek. Wie gestört das Vertrauen zwischen Gemeindevertretern und Bürgermeisterin Martina Denecke mittlerweile ist, zeigte am Donnerstag die Fragestunde in der Gemeindevertretung. Fast eine Stunde lang wurde über Protokolle, nicht eingetroffene Einladungen und eine kleine Meldung im Gemeindeblatt diskutiert. Die löste sogar einen handfesten Eklat aus.

Irene Kastner (SPD) wollte wissen, weshalb die Einladung einer Bürgerin zum Frauenklönschnack mit der Bürgermeisterin im Grünen Blatt veröffentlicht worden war, obwohl nicht die Gemeinde, sondern eine Privatperson Veranstalterin war.

"Ich bin dort nicht privat, sondern in der Funktion als Bürgermeisterin aufgetreten", rechtfertigte sich Denecke. Dann sprach sie von "Spionen", die bei dem Treffen mit den Bürgerinnen zugegen gewesen seien. Gemeint waren die Kommunalpolitikerinnen Violetta Werner (OWG) und Silke Fillies (SPD).

Werner ist empört, fühlt sich von Denecke angeprangert: "Ich war als Bürgerin zum Klönschnack eingeladen. Warum und für wen sollte ich spionieren? Da gab es doch keine Geheimnisse zu verraten. Ich erwarte von der Bürgermeisterin nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch, dass sie künftig mehr auf uns zukommt," sagte sie gestern gegenüber unserer Redaktion. Sie verstehe Denecke nicht: "Wir wollen alle mit ihr zusammenarbeiten. Wenn wir Fragen stellen, dann nicht, um sie zu beschuldigen, sondern um gemeinsam Lösungen zu finden", so Werner. Jeder mache Fehler: "Eine Bürgermeisterin muss auch die Größe besitzen, sie zuzugeben."

Bürgervorsteher Hendrik Maier (CDU) versuchte bereits während der Sitzung, die Diskussion abzukürzen, wenn sie ins Persönliche abglitt. "Als Sitzungsleiter ist es meine Aufgabe, die inhaltliche Debatte voranzutreiben", sagte er gestern. "Als Bürgervorsteher versuche ich, derartige Probleme im Gespräch zu lösen." Auf der nächsten Ebene wäre der Ältestenrat aus den Fraktionsvorsitzenden oder als Dienstherr der Hauptausschuss offiziell zuständig. Maier hat selbst nicht vor, den Ältestenrat einzuberufen, rechnet aber mit Anfragen der Fraktionsvorsitzenden.

Jürgen Schweizer (CDU), Vorsitzender des Hauptausschusses, bestätigt das Kommunikationsproblem: "Dieser Artikel im Grünen Blatt war ein bisschen abenteuerlich. Irene Kastner hatte sachlich gefragt und eine recht aggressive Antwort erhalten. Das hat mir nicht gefallen." Deshalb will er den Artikel und den Umgang miteinander in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 3. Dezember, thematisieren.

Martina Denecke sieht für eine Entschuldigung keinen Anlass: "Nicht ich habe die beiden Gemeindevertreterinnen als Spioninnen bezeichnet, sondern sie sich selbst, wie mir zwei Damen von ihrem Tisch berichteten." Sie gehe als Bürgermeisterin permanent auf die Politiker zu. "Aber leider gehen die Politiker nicht den normalen Weg und fragen vorab bei der Verwaltung nach. Stattdessen wollen sie damit in die Öffentlichkeit." Auf die Frage, ob nicht das Vertrauen zwischen Politik und Verwaltung gestört sei, antwortete die Bürgermeisterin: "Von meiner Seite aus nicht."