Multistar

Vorreiter für Technik der Feuerwehren

Oststeinbek. Sechs Jahre haben die Freiwilligen Feuerwehrleute für ihren Multistar, einen Rüstwagen mit Teleskoparm, als Ersatz für die alte Anhängeleiter und den alten Rüstwagen gekämpft.

Das Gerät bietet gegenüber Drehleitern einige Vorteile, sorgte in der Kombination von zwei Fahrzeugen auch für eine Kostenersparnis. 2010 hat Oststeinbek es schließlich ohne Förderung des Kreises angeschafft, weil es den gesetzlichen Normen für den zweiten Rettungsweg nicht entsprach. Deshalb muss die Gemeinde weiter die mehr als 30 Jahre alte Anhängeleiter vorhalten und warten. Jetzt aber avanciert der Outsider Multistar möglicherweise zum bundesweiten Vorzeigeprojekt.

Denn das Innenministerium hat mit Oststeinbek eine Vereinbarung über eine Einsatzanalyse des Multistar geschlossen. Ziel ist der Nachweis, dass der Multistar ein vergleichbares Sicherheitsniveau wie eine Drehleiter erreicht. Weiter heißt es im Vertrag: "Anhand der Ergebnisse der Studie soll über einen Vorstoß auf Länderebene mit dem Ziel entschieden werden, diesen Fahrzeugtyp als Alternative zu den eingeführten Hubrettungsfahrzeugen zum Sicherstellen des zweiten Rettungsweges anzuerkennen." Bisher gibt es erst zwei weitere ähnliche Feuerwehrfahrzeuge in Norddeutschland.

Für die freiwilligen Retter bedeutet das zunächst viel Arbeit. "In unserem eigenen Interesse", betont Gemeindewehrführer Carsten Steffen. Die Hoffnung der Feuerwehrleute: Ergibt sich aus der Studie eine Gleichwertigkeit des Multistars mit üblichen Hubrettungsgeräten, können sie künftig auf die Anhängeleiter verzichten. Die entspricht mittlerweile ebenfalls nicht mehr der Norm, genießt nur noch Bestandsschutz. Das ist auch für die Gemeinde die Motivation für den Projektauftrag. "Oststeinbek erhofft sich mehr Rechtssicherheit für den zweiten Rettungsweg", bestätigt Bürgermeisterin Martina Denecke.

Bereut hat die Gemeinde ihre unorthodoxe Anschaffung laut Steffen bisher nicht. Vorteil des Multistars gegenüber den Drehleitern ist vor allem, dass man den Teleskopgelenkmast, etwa an Böschungen, auch nach unten führen und so Personen nach oben befördern kann. Für die Terrassenhäuser an der Uferstraße ist er sinnvoll, weil er eine größere seitliche Reichweite als eine Drehleiter hat. Außerdem wird für seine Bedienung weniger Personal gebraucht. Andererseits könnte der Multistar Probleme bereiten, etwa falls der Gelenkmast ausfällt. Der Multistar fährt als Rüstwagen in jedem Einsatz mit, weil wichtige Geräte wie der Druckbelüfter darauf transportiert werden. So mussten die Retter Sonntag um 4.15 Uhr das stark verqualmte EKZ belüften, nachdem sie nebenan einen Brand am Tresen des zur Twiete gelegenen Osbek-Treffs gelöscht hatten.

Bis Jahresende soll eine AG der Wehr den umfassenden Fragenkatalog aus Kiel beantworten. Dann folgt eine Dokumentationsphase bis zum August 2017, um eine ausreichende Informations-Basis für die Studie zu erhalten. Die anschließende Auswertung soll zeigen, ob Oststeinbek das Zeug zum technischen Vorreiter hat.