Urteil

Neun Jahre Haft für Callboy

Lübeck/Glinde. Neun Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags - mit dieser Strafe für den 24-jährigen Henning K. zog das Landgericht Lübeck gestern den vorläufigen Schlussstrich unter eines der spektakulärsten Verbrechen der letzen Jahre im Heimtagebiet.

Der Callboy hatte seinen 73-jährigen Freier Horst O. mit einem Zimmermannshammer erschlagen.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin Dr. Ulla Hingst. "Möglich wäre auch eine Forderung von einer lebenslangen Haftstrafe gewesen. Doch in diesem Fall handelte es sich nur - so unglaublich, wie es sich anhört - um einen ,normalen' Totschlag", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Günter Möller. Der Angeklagte hatte angegeben, der ausgeliehene Hammer habe zufällig in seinem Auto gelegen, er wollte ihn zurückgeben. Eine Planung der Tat war nicht nachzuweisen.

Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann schilderte in der mündlichen Urteilsbegründung noch einmal ausführlich die Einzelheiten des Verbrechens. Danach hatte Henning K. sein Opfer über eine Internet-Plattform kennengelernt und mehrmals mit ihm sexuelle Kontakte gegen Bezahlung gehabt. Am 26. Dezember 2011 kam es in der Nähe des Oststeinbeker Friedhofs zu dem tödlichen Streit. Henning K. schlug mehrmals mit einem Zimmermannshammer auf den Kopf des alten Mannes ein, auch noch, als dieser bereits bewusstlos am Boden lag. K. wollte die Leiche zunächst verbrennen, dann vergraben, dann zersägen. Als alles misslang, packte er die Leiche von Horst O. in den Kofferraum von dessen Wagen und stellte das Auto in einer Tiefgarage in Glinde ab. Dort wurde der Leichnam erst zwei Monate später gefunden - und das auch nur, weil die Alarmanlage des Autos angesprungen war. "Ein Tathergang wie aus einem ganz schlechten Kriminalroman", so der Richter.

Henning K. hatte die Tat zwar gestanden. "Seine Einlassungen aber waren ein einziges Lügengebäude", sagte Richter Singelmann. So sei die "Notwehr-Version" des Angeklagten schon wegen des Kräfteunterschieds zwischen Täter und Opfer völlig abwegig. Auch seine Behauptung, Horst O. sei sein früherer Vergewaltiger, konnte nicht bewiesen werden. Das Tatmotiv blieb für das Gericht bis zum Schluss weitgehend im Dunkeln. Weil der Angeklagte Geldbörse und Handy seines Opfers an sich genommen und später auch noch dessen Wohnung durchsucht habe, hätte man auch Habgier als Motiv annehmen können, "dann wäre eine Verurteilung wegen Mordes infrage gekommen", so der Richter. "Der Angeklagte hat sich aber erst längere Zeit nach der Tat bereichert, wir konnten ihm Habgier als Motiv nicht nachweisen".

Entlastend für Henning K. wertete das Gericht nur dessen Geständnis. Ansonsten habe der Angeklagte sich genauso gefühlsarm und ohne echte Reue gezeigt, wie es der psychiatrische Sachverständige Dr. Wolf-Rüdiger Jonas in seinem Gutachten dargelegt habe, sagte der Richter.

Die gruselige Art, wie der Täter die Leiche verschwinden lassen wollte, konnte ihm nicht strafverschärfend angerechnet werden. Die Beseitigung von Spuren ist grundsätzlich nicht strafbar.

Ob Henning K.s Verteidiger Revision einlegt, steht noch nicht fest: "Die Staatsanwaltschaft und wir lagen mit den Strafforderungen nicht allzu weit auseinander", sagte Anwalt Nicolai Preuß. Henning K. nahm das Urteil gefasst auf.