Branth-Chemie

Rostschutz, der um die Welt fährt

Glinde. Mit Glitzersilber sind die Fahnenmasten an der Formel-1-Rennstrecke in Bahrain bestrichen. Wenn die Sonne darauf scheint, schimmern sie in vielen Farbnuancen. Entwickelt wurde die Farbe von dem Unternehmen Branth-Chemie in Glinde.

Die Rostschutzfarben, die hier produziert werden, finden sich überall: an Brückengeländern, auf Dächern, Bojen, Baumaschinen und auf dem Winterräumfahrzeug des Glinder Baubetriebshofes. Und sie kommen in der Welt herum: Oldtimerfans streichen damit ihre Autos. Und sie schützen Schiffscontainer, die Wasser und Luft ausgesetzt sind, vor Korrosion. Jährlich produziert das Unternehmen 800 000 Liter Rostschutzfarbe.

Firmengründer Arnold Valentiner-Branth hatte die Idee vor 125 Jahren. Seine Familie betrieb in Dänemark eine kleine Molkerei. Fasziniert von der fortschreitenden Industrialisierung kaufte sie für viel Geld eine Dampfmaschine. Doch kurze Zeit später die Ernüchterung: Die teure Maschine begann zu rosten. Das brachte Arnold Valentiner-Branth die Geschäftsidee. Gerade 22 Jahre alt, ging er nach Hamburg - dorthin, wo die Zutaten für Rostschutzmittel zu haben waren: Fischöl als Bindemittel und Rohstoffe für Farben, die damals aus fernen Ländern nach Hamburg importiert wurden. Branth baute sein Unternehmen auf und bot Schutzfarben für landwirtschaftliche Maschinen an.

Vier Generationen später führen Manfred Valentiner-Branth (85) und sein Sohn Axel Valentiner-Branth (55) das Unternehmen. Seit knapp zehn Jahren sitzt Branth-Chemie am Biedenkamp in Glinde und beliefert etwa 10 000 gewerbliche Kunden. 18 Mitarbeiter sorgen dafür, dass Pigmente, Harze, Löse- und Bindemittel zu streichfähigen Farben gemischt werden. Mit Rot werden Bojen und Feuerwehren gestrichen, sattes Grün findet sich auf Baumaschinen wieder und Kommunalfahrzeuge sind orange. Während die Farbe früher aus Schwermetallen wie Blei und Zink bestand, gibt es heute Alternativen, die weniger gesundheitsbedenklich sind: Mineralien. Weiße Pigmente werden aus Talkum gewonnen, Rot und Schwarz aus Eisenoxid. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Kunden steht Weiß.

Noch vor 25 Jahren deckten acht Farbtöne die Wünsche der Kunden ab. "Heute haben wir mehr als 50", sagt Axel Valentiner-Branth. Gestiegen sind auch die Erwartungen. "Während man früher mit einer Farbe zufrieden war, die drei Jahre hielt, müssen es heute mindestens zehn sein."

Um die Zukunft muss sich Axel Valentiner-Branth nicht sorgen: "Der Umsatz steigt jährlich um drei bis fünf Prozent." Und einer seiner vier Söhne wird das Unternehmen weiterführen.