Pilotprojekt

Mit Lichtgeschwindigkeit ins Netz

Glinde. Was in Hongkong und Singapur längst Standard ist, soll bald auch in Glinde möglich sein: Übertragungsraten mit Lichtgeschwindigkeit. Gestern hat der Hamburger Anbieter "willy.tel" in der Straße Rehwisch mit den Bauarbeiten für die schnelle digitale Verbindung begonnen.

Die vier Gehwegplatten, die für den ersten Spatenstich entfernt wurden, bezeichnete Bürgermeister Rainhard Zug als Quantensprung für Glinde. "Dass Sie bei uns eine der modernsten Verbindungen verwirklichen, macht mich stolz", sagte er zu "willy.tel"-Geschäftsführer Bernd Thielk.

In dem Pilotprojekt in Glinde wird der Anbieter das schnelle Internet mit Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit (1000 Mbit) testen. Üblich sind bisher bis zu 100 Mbit. Als erstes können die Anwohner der Straßen Rehwisch, Groothegen und Auf dem Brink davon profitieren, das sind 136 Haushalte.

Unter den Gehwegen vor ihrer Haustür wird ein Kilometer langes Kabel aus Glasfasern verlegt. Per Pressluft wird es unter den Gehwegplatten entlang geschossen. Das 100 000-Euro-Projekt soll bis Ende Oktober beendet sein.

Statt durch Kupfer werden digitale Daten durch Glasfasern mittels Licht übertragen. Durch das Verfahren, auch Fiber to the Home (FTTH) genannt, können Daten wie Telefongespräche, Musik, Videos, Fotos und TV-Signale ohne Geschwindigkeitsverlust übertragen werden.

Standortvorteil durch schnelle Übertragungsgeschwindigkeit

Videos und andere Daten lassen sich allerdings auch mit 100 Mbit herunterladen. Auch wenn Privatpersonen mit Übertragungsraten im Gigabit-Bereich vielleicht nichts anfangen können - für Glinde ist das Projekt laut Bürgermeister Zug ein Standortvorteil. "Das lockt neue Unternehmen in unsere Stadt." Nach und nach soll in der Stadt ein Ringsystem entstehen, an das sich jeder Haushalt anschließen kann. "In welchen Straßen, das wird der Bedarf zeigen", sagt Thielk.

"Glasfaser ist mindestens so wichtig, wie ein attraktives Wohnumfeld", findet Rathauschef Zug. Was für Neubürger zählt, sei nicht nur, eine schnelle Verkehrsanbindung und gute Einkaufsmöglichkeiten zu haben, sondern auch die Möglichkeit, sich weltweit zu vernetzen. "In zwei Jahren werden 1000 Mbit überall Standard sein", glaubt Thielk. Glinde sei bundesweit die zweite Stadt, in der so schnelle Übertragungsraten getestet werden.