Verschimmelte Wohnung

Zwangsräumung bei Alleinerziehender

Glinde. Annette Büttner ist die Aufregung anzusehen. Blass und zitternd schaut sie durch die Fensterscheibe im Treppenaufgang. "Jetzt müssen sie gleich kommen." In wenigen Minuten soll ihre Wohnung zwangsgeräumt werden.

"Wäre ich nicht bei meiner Nachbarin untergekommen, stünde ich mit meinen beiden kleinen Kindern auf der Straße", sagt sie leise.

Dann geht es ganz schnell: Ein Umzugswagen fährt vor. Türen klappen. Wenig später stehen vier kräftige Männer in der Drei-Zimmer-Wohnung am Ahornweg. "Sie sind ja noch nicht fertig. Ich gebe Ihnen noch zwei Stunden Zeit. Was ist mit den Kellerräumen?", fragt der Hausmeister. Büttner erschrickt. "Da stehen noch Sachen drin." Der Gerichtsvollzieher schaltet sich ein. "Das muss alles raus. Sonst wird es auf Ihre Kosten geräumt", sagt er zu der Hartz-IV-Empfängerin. Die ist den Tränen nahe.

Annette Büttner wähnt sich im Recht. "Die Wohnung war komplett verschimmelt. Ich habe so oft dem Hausmeister Bescheid gesagt, den Vermieter 'Prelios' angeschrieben. Doch es ist nie etwas passiert." Sie mindert die Mietzahlungen um 15 Prozent. Als der Vermieter immer noch nichts gegen den Schimmel unternimmt, leiht sie sich Geld bei Freunden, beauftragt einen Maler. Kosten: mehr als 1000 Euro. "Ich habe Angst um meine Kinder gehabt." Die kleine Lara ist vier, Jaqueline zehn Jahre alt. Der Vermieter "Prelios" war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Kosten für die Renovierung zieht Annette Büttner weiter von der Miete ab. Fatal. Denn: "Nachdem der Mangel behoben war, hätte Frau Büttner natürlich auch die Miete nicht mehr mindern dürfen", sagt Rechtsexperte Stefan Schmalfeld vom Mieterverein zu Hamburg. Büttner hätte die Kosten für die Renovierung in einem Zivilrechtsverfahren von ihrem Vermieter einklagen müssen.

Petra Bockhoff vom Mieterverein Geesthacht sagt: "Weshalb hat sich Frau Büttner nur keinen Rechtsbeistand geholt? Wenn man was aus dieser Sache lernen kann, dann, dass man so etwas nicht allein machen sollte." Schließlich gebe es auch immer die Möglichkeit, Prozesskostenbeihilfe zu beantragen.

Genau die möchte die schwarz/gelbe Koalition jetzt aber radikal kürzen und damit Hartz-IV-Empfängern eine der letzten Möglichkeiten nehmen, sich zur Wehr zu setzen. In Hamburg übernimmt die Stadt bei Hartz-IV-Beziehern immerhin für ein Jahr die Mitgliedsbeiträge beim Mieterverein. Doch nicht jede Kommune kann oder will sich das leisten. Wer Annette Büttner helfen möchte: annette.07@hotmail.de

"Ich habe Angst um meine Kinder gehabt."

Annette Büttner (39) alleinerziehende Mutter