Thor-Steinar

Rechtstreit um Räumung geht weiter

Glinde/Lübeck. Im Rechtsstreit um die Räumung des Thor-Steinar-Ladens wird mit harten Bandagen gekämpft. Von manipulierten Mietverträgen und gestohlenen Vertragsentwürfen war gestern im Zivilprozess vor dem Landgericht Lübeck die Rede.

Familienmitglieder des Glinder Vermieters Jürgen Herbst haben ausgesagt, ihnen sei vom Mieter verheimlicht worden, dass in dem Laden Kleidung der bei Rechtsextremisten beliebten Marke Thor Steinar verkauft werden soll. Die Gebietsleiterin der Firma Bestmarke Textil, Franziska Krebs, dagegen sagte, es habe keinen Grund gegeben, nicht dazu zu stehen.

Die Vermieterseite bleibt dabei: In einem zur Prüfung vorgelegten Vertragsentwurf sei lediglich von "norwegischer Outdoor-Bekleidung" die Rede gewesen. Als sich das Vermieterehepaar wenige Stunden nach der Unterzeichnung den Vertrag noch einmal genau ansah, fanden sie dort den Hinweis auf die Marke Thor Steinar und auch die Warnung vor dadurch möglicherweise bedingten Demonstrationen vor ihrem Laden. Der Vermieter fühlte sich arglistig getäuscht und versucht nun, die Kündigung des Mietvertrags vor Gericht durchzusetzen. Ein erster Gütetermin im März war gescheitert. Die Mieter wollen bis 2015 im Geschäft bleiben.

Gestern sollten sechs Zeugen Licht ins Dunkel des Vertragsabschlusses bringen, denn der Vertragsentwurf mit den unverfänglichen Formulierungen ist verschwunden. Die Tochter des Vermieters erhob vor Gericht schwere Vorwürfe gegen die Vertreter der Bestmarke Textil GmbH. "Sie haben uns bei der Unterzeichnung abgelenkt und die Verwirrung ausgenutzt, um die entsprechenden Blätter auszutauschen", sagte Sigrid Herbst, die Tochter des Vermieters. Ihre Mutter Margarita Herbst äußerte die allerdings von ihr nicht zu beweisende Vermutung, ein Vertreter der Firma habe den Entwurf heimlich mitgenommen, um den Schwindel zu verschleiern.

Die Gebietsleiterin Krebs, die bei der Unterzeichnung dabei war, sagte dagegen: "Der Vertrag mit allen Anlagen war fest zusammengeheftet, als er dem Vermieter zum Unterschreiben vorgelegt wurde." Da habe nichts versteckt oder ausgetauscht werden können, sagte die 34-Jährige aus Berlin.

Das bestätigte auch der Gesellschafter der beklagten Bestmarke Textil GmbH Uwe Meusel. Er bekräftigte vor Gericht, von Anfang an hätten in einem Vertragsentwurf sowie in zwei später von beiden Seiten unterschriebenen Exemplaren die Hinweise auf Thor Steinar und sogar eine Belehrung darüber gestanden, dass gegen die Marke auch mit Protesten zu rechnen sei. Eine Entscheidung traf der vorsitzende Richter nach den stundenlangen Zeugenbefragungen nicht. Der Prozess wird mit der Vernehmung eines weiteren Zeugen fortgesetzt.

Großkundgebung am 15. September angesetzt

Dass der Prozess schwierig und langwierig werden könnte, damit haben Mitglider der Bürgerinitiative "Glinde ist bunt, nicht braun" gerechnet. Seit knapp einem Jahr protestieren sie nahezu täglich vor dem umstrittenen Geschäft. "Wir machen dennoch weiter", sagt der Sprecher Johannes Ratzek. So ist zum Jahrestag der Protestbewegung, 15. September, erneut eine Großdemonstration geplant. Unter dem Motto "Glinde kehrt aus!" rufen sie die Glinder dazu auf, sich um 12.30 Uhr in der Marktpassage zu sammeln. Gemeinsam zieht die Menschenmenge an den Glinder Berg, um "den braunen Dreck" auszufegen.