Beweisaufnahme

Räumungsklage gegen Tønsberg geht in zweite Runde

Glinde/Lübeck (dpa/kb). Im Streit um den Thor-Steinar-Laden an der Möllner Landstraße geht es jetzt ans Eingemachte. Weil er sich arglistig getäuscht fühlt, will der Vermieter Jürgen Herbst den unliebsamen Laden mit der bei Rechtsextremisten beliebten Modemarke loswerden und hat beim Landgericht Lübeck eine Räumungsklage angestrengt.

Ein erster Gütetermin im März scheiterte. Jetzt treffen sich die streitenden Parteien am Donnerstag wieder vor Gericht. Dann sollen Zeugen befragt und Beweise erhoben werden.

Herbst wirft dem Betreiber des Ladens, der Bestmarke Textil GmbH aus Mittelwalde in Brandenburg vor, ihn arglistig getäuscht zu haben. Bei den Vertragsverhandlungen sei nur von "norwegischer Outdoor-Bekleidung" die Rede gewesen, hatte der Anwalt des Vermieters, Christian Verstege, beim ersten Verhandlungstermin im März gesagt. Die Gegenseite hatte dagegen darauf verwiesen, dass das geplante Sortiment in einer Anlage zum Vertrag ausführlich beschrieben worden sei. Auch auf die Möglichkeit von Protesten vor dem Geschäft sei darin hingewiesen worden. Dazu sind die Betreiber solcher Geschäfte juristisch verpflichtet.

Nach Angaben Versteges dagegen war dieser Passus erst nachträglich eingefügt worden und in dem ursprünglichen Vertragsentwurf, der seinem Mandanten vorgelegen hatte, nicht enthalten gewesen. Deshalb kündigte der Vermieter dem Betreiber, der allerdings auf dem bis 2015 geschlossenen Mietvertrag besteht. "Wir gehen da nicht raus, der Laden rechnet sich", hatte der Geschäftsführer der Bestmarke Textil GmbH, Thomas Pohland, beim gescheiterten Gütetermin im März erklärt.

Am Donnerstag wird der klagende Vermieter beweisen müssen, dass die Gegenseite beim Vertragsabschluss getrickst hat. Denn in dem Mietvertrag, der dem Gericht vorlag, war das geplante Sortiment des Ladens Tønsberg genau beschrieben. Der Entwurf, der diese Hinweise nicht enthalten habe, sei verschwunden, sagte Verstege.

Die Frage sei wie viele unterschiedliche Entwürfe es gegeben habe, was zum Lesen und was zum Unterschreiben da gelassen worden war, erläutert Verstege.

In der kommenden Befragung sollen nun zahlreiche Zeugen, die bei den Vorgesprächen und bei der Vertragsunterzeichnung anwesend waren, über ihre Wahrnehmung dieser Verhandlung berichten.

Das Gericht wird schließlich die Glaubwürdigkeit der Zeugen bewerten müssen, sagt der Anwalt des Glinder Vermieters. Er rechne am Donnerstag nicht mit einer Entscheidung, da viele Zeugen angehört werden müssten und es sich um eine komplexe Angelegenheit handele.