Anleihen

Glinder (67) verklagt die Commerzbank

Glinde. Peter Moritz vertraute seiner Bank seit Jahrzehnten. Auch, als ihm im Februar 2011 ein Wertpapierspezialist seiner Hausbank - der Glinder Commerzbank Aktiengesellschaft - den Vorschlag machte, einen Teil seines Ersparten gewinnbringend anzulegen.

"Ich teilte dem Berater mit, dass ich Rentner bin, Verluste nicht mehr durch meine Arbeitskraft ausgleichen kann und nur Interesse an einer ganz sicheren Kapitalanlage habe", sagt der 67-Jährige.

Der Bankangestellte schlug vor, Geld in eine griechische Staatsanleihe zu investieren. "Er sagte, dass es keine Risiken gäbe, Griechenland nicht Pleite gehen würde und die Verbindlichkeiten durch den europäischen Rettungsschirm aufgefangen werden würden."

Der pensionierte DiplomIngenieur vertraute dem Rat des Anlage-Experten und investierte rund 20 000 Euro in eine Griechenland-Anleihe - verzinst mit 4,3 Prozent. Zweifel hatte er nicht: "Die Erklärung, dass die Anleihe im Fall der Fälle über den Rettungsschirm abgesichert wäre, erschien mir schlüssig", sagt der Glinder.

Er hatte sich schon auf die Rückzahlung des Geldes gefreut, doch wenige Tage, bevor die im März dieses Jahres fällig wurde, erfuhr Moritz aus den Medien von dem Schuldenschnitt für Griechenland - und fürchtete um sein Geld. "Ich bin sofort zur Bank. Doch dort wollte man von der Aussage, die Sache sei ganz sicher, plötzlich nichts mehr wissen. Das hat mich sehr geärgert." Ein Viertel des Geldes, rund 5000 Euro, ist definitiv verloren. Weitere 5000 Euro wurden in Anleihen der Europäischen Union umgewandelt, die im nächsten Jahr fällig werden. Die restlichen 10 000 Euro wurden in neue griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2042 gewandelt. Moritz wäre bei der Auszahlung 97 Jahre alt.

Der Glinder hat sofort den Hamburger Anwalt Matthias Gröpper eingeschaltet. Der soll jetzt Schadensersatzanspruch in Höhe des Kaufpreises, also rund 20 000 Euro, gegen die Commerzbank durchsetzen. Gröpper macht seinem Mandanten Hoffnung. Er vertritt mittlerweile mehr als 1000 Geschädigte und ist der Meinung, dass sicherheitsorientierten Anlegern wie Peter Moritz eine Griechenland-Anleihe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hätte empfohlen werden dürfen.

"In keinem einzigen Fall wurden die Betroffenen auf die dramatischen Risiken der Anleihen hingewiesen. Im Gegenteil: Den meisten - viele darunter sind Commerzbank-Kunden - wurde gesagt, dass im Zweifel der Rettungsschirm greife und entschädige. Das ist schreiend falsch. Der Rettungsschirm hat das Ausfallrisiko der Anleihen zu keinem Zeitpunkt abgesichert", sagt Gröpper. Peter Moritz klagt jetzt wegen falscher Beratung gegen die Commerzbank Aktiengesellschaft. Er war der erste Griechenland-Anleger, der Klage eingereicht hat. Ende des Jahres rechnet sein Anwalt mit einem Urteil.

Wurde der Bankkunde ausreichend über das Risiko informiert? Die Commerzbank Aktiengesellschaft meint ja. Sie ging davon aus, dass Käufer von Griechenland-Anleihen "sehr erfahrene Wertpapieranleger sind", sagt Michael Machauer, Privatkundenbetreuer der Commerzbank Aktiengesellschaft. "Die bei Wertpapier-Geschäften ergänzend zum Beratungsprotokoll ausgehändigte Einschätzung der Griechenland-Anleihen stellte die Risiken sehr ausführlich dar. Die positive Votierung für ausgewählte Griechenlandanleihen erfolgte ausdrücklich mit der Einschränkung auf Anleger, die hinsichtlich potenzieller Risiken erfahren sind." Die Anlage-Einschätzung habe - wie in allen anderen Fällen auch - auf den damals zur Verfügung stehenden Fakten beruht, so Machauer.

Dass der Anleger die Anleihe auf Anraten der Bank gekauft und nicht von sich aus die Beratung gewünscht hat, verschärfe die Sache zusätzlich, meint Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Betroffene Anleger sollten sich schnellstmöglich an einen Anwalt wenden, denn Schadensersatz-Ansprüche gegen Banken im Zusammenhang mit Schäden aus Wertpapieren verjähren relativ schnell."