Polizei

Lärmbeschwerden häufen sich

Glinde(unb). Sobald das Wetter schön ist, halten sich viele Menschen draußen auf, grillen im Garten oder sitzen mit Freunden bis in die Nacht auf dem Balkon. Oft läuft nebenbei laute Musik. Davon fühlen sich regelmäßig Nachbarn gestört, rufen die Polizei.

"Gerade am Wochenende häufen sich die Beschwerden wegen Ruhestörung", sagt Jochen Sohrt, stellvertretender Leiter der Polizeistation Glinde.

Fünf, sechs Anrufe am Wochenende sind jetzt im Sommer keine Seltenheit. Die einen fühlen sich von lärmenden Jugendlichen gestört, die sich abends gern auf Spielplätzen wie dem am Gutshaus aufhalten, anderen sind die Musik oder die Liebesgeräusche aus der Wohnung nebenan zu laut oder sie fühlen sich vom Rasenmäher des Nachbarn gestört, berichtet Sohrt. In jedem Fall nehme die Polizei die Anrufe ernst und mache sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage: "Ist die Musik tatsächlich zu laut, schreiten wir ein und fordern die Bewohner auf, sie leiser zu stellen." In den meisten Fällen richten sich die Hausbewohner auch danach. "Müssen wir ein zweites Mal einschreiten, nehmen wir die Musikanlage mit oder lösen die Party auf", sagt Sohrt. Am nächsten Tag können sich die Ruhestörer die Anlage dann bei der Polizei wieder abholen.

"Tatsächlich aber ist Ruhestörung ein weit gefasster Begriff", sagt Sohrt. Zum Schutz vor Nachbarschaftslärm existieren keine bundeseinheitlichen gesetzlichen Regelungen. Fest steht, dass die Nachtruhe - von 22 bis 6 Uhr - eingehalten werden muss. Alles Weitere regeln Landesemissionsschutzgesetze und Hausordnungen, wenn es sie gibt.

Das ist in Straßen mit Reihen- und Einfamilienhäusern nicht der Fall, weiß Norbert Schicketanz. Der Glinder ist seit fünf Jahren Streitschlichter und hat regelmäßig mit zerstrittenen Nachbarn zu tun. "In 50 Prozent der Fälle geht es auch um Lärm", sagt Schicketanz.

Als Streitschlichter ist es seine Aufgabe, den Parteien zu helfen, aufeinander zuzugehen. "Der erste Schritt ist, miteinander zu reden." Was früher eine Selbstverständlichkeit war, scheinen viele heute verlernt zu haben, hat Schicketanz beobachtet. Auch die gegenseitige Rücksichtnahme spiele kaum noch eine Rolle. So hielten die wenigsten eine freiwillige Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr ein.

Dass Nachbarn immer öfter aneinander geraten, hänge auch damit zusammen, dass Grundstücksgrößen immer kleiner und Flächen immer enger bebaut würden. "Da sind Konflikte programmiert", sagt Schicketanz. Der Streitschlichter geht davon aus, dass ein Großteil seiner Klienten in Zukunft aus dem Neubaugebiet Alte Wache kommt.

Bislang aber verstehen sich die Neuglinder noch gut, sagt Jochen Sohrt. Aus dem Neubaugebiet hat sich noch kein Anwohner bei der Polizei über zu laute Nachbarn beschwert.