Bürgerinitiative

Die Stadt rockt bald gegen Rechts

Demonstrationen und andere Aktionen vor dem Thor-Steinar-Geschäft am Glinder Berg. Sie hat Bürger für Lichterketten und eine Menschenkette mobilisiert, bunte Luftballons steigen lassen und bekannte Gesichter wie Corny Littmann nach Glinde geholt, damit der Protest nicht abreißt.

Seit zehn Monaten organisiert die Bürgerinitiative gegen Rechts Mahnwachen,

Die Aktionen werden immer größer: Am Sonnabend, 22. September, heißt es im Bürgerhaus "Rock gegen Rechts". Ab 18 Uhr werden mehrere Bands auftreten. Welche dabei sein werden und wie viele, das organisieren die Mitglieder der Bürgerinitiative in den nächsten Wochen. Die treffen sich jeden Dienstag um 19 Uhr in der Katholischen Kita, Möllner Landstraße 46. Es sind Lehrer, Selbstständige, Senioren - der harte Kern besteht aus zehn Leuten. Es ist ein offener Treff, in dem jeder seine Meinung sagen darf.

Manchmal werden die Diskussionen ein wenig lauter. Etwa wenn es darum geht, ob ein Plakat aufgehängt wird, das ein Bürger gesponsert hat und auf dem neben Salsa tanzenden Mädchen der Schriftzug "Freie Welt" zu sehen ist. "Das sieht nach Spaßgesellschaft aus. Was hat das mit unserem Protest zu tun?", fragen die einen. "Jeder kann sich einbringen", meinen die anderen.

Deutschlandflagge sorgt für Zoff

Für Diskussionsstoff sorgt auch die Deutschlandflagge, die ein Mitglied der Bürgerinitiative zur Mahnwache mitbrachte. "Die steht für sich. Wozu die Flagge instrumentalisiert wird, ist etwas völlig anderes", findet Rolf Metschulat, Mitglied der Bürgerinitiative. "Seit sie bei der Mahnwache hängt, haben sich einige von uns losgesagt."

Etwa die Mitglieder der linken Jugendorganisation Solid. "Wir sind damit nicht einverstanden, denn es ist eine Nationalflagge, sie steht für einen Nationalstaat", sagt Peter Petersen von Solid. Er hat auch das Aktionsbündnis "Bunt statt Braun" mitbegründet.

Anfangs waren die Jugendlichen bei den Mahnwachen dabei, organisierten Demonstrationen mit und kamen in die Bürgerinitiative. Mittlerweile sei das "personell und zeitlich schwierig", sagt Petersen. "Auch gab es ein wenig Stress. Wir sind zwar alle gegen Nazis, aber nicht immer einer Meinung. Wir konzentrieren uns nun auf die Antifa-Arbeit auf Landesebene."

"Auftretende Probleme werden uns nicht an unserer Arbeit hindern", kündigt Rolf Metschulat an. Er und die anderen Mitglieder der Bürgerinitiative feilen weiter an Ideen. Zum Jahrestag lädt sie zu einem "Katerfrühstück" vor dem Laden ein, um gemeinsam den "beschämenden Tag" zu beginnen. Sie wollen sich aber auch gegenseitig Mut für das nächste Jahr machen. Vielleicht gibt es bald Hoffnung, denn am 9. August wird vor dem Lübecker Landgericht über die Räumungsklage gegen den Mieter verhandelt.