Kunst

Wenn einen Informatiker die Muse küsst

Havighorst (unb). Die Entscheidung, die Arbeit aufzugeben und sich der Bildhauerei zu widmen, war die beste seines Lebens, sagt Lothar Schmadtke. Die Muse und die Kreativität haben Einzug in sein Leben gehalten. Zwar musste der Havighorster zuvor als Programmierer auch kreativ sein, "aber auf eine andere Art und Weise", sagt der 62-Jährige.

Meist unter Zeitdruck habe er da nach Lösungen für ein EDV-Problem gesucht. Jetzt habe er nahezu alle Zeit der Welt für das Bearbeiten von alten Holzststücken oder einem Block aus Alabaster.

Vor vier Jahren absolvierte Schmadtke einen ersten Bildhauer-Workshop bei einem Kunsthändler in Glinde und war sofort fasziniert. "Als Bildhauer lernt man auf ganz neue Art zu sehen, muss die Dinge genau betrachten, um sie in Form gießen zu können." So hat er seine verstorbene Katze in einer Holzskulptur verewigt. "Den Gesichtsausdruck so hinzubekommen, dass er mit der Wirklichkeit übereinstimmt, hat mich viele Skizzen und noch mehr Geduld gekostet."

Doch nicht nur Gegenständliches wie seine Katze, eine Eule oder ein Bär gehört zu seinen Arbeiten. Auch viel Abstraktes ist darunter: "Berggeister" aus Kirschholz, eine "Schlafende" aus Sandstein und ein "Moorfisch" aus einem rabenschwarzen Eichenstück, das 3000 Jahre lang in einem Moor gelagert hat. Einen Teil der Arbeiten hat Schmadtke in seinem Garten am Waldweg 24 ausgestellt. Öfter bleiben davor Spaziergänger und Radfahrer, die in der Feldmark unterwegs sind, stehen und schauen interessiert über den Zaun. Hier unter freiem Himmel sägt, schleift und fräst er - die nächsten Nachbarn sind weit.

Derzeit arbeitet er an seiner bisher größten Skulptur: einem fast einen Meter großen Block aus Kirschholz. Durch seine Ähnlichkeit mit einem Elefantenkopf hat er die Skulptur "Fanti" getauft. Verkauft hat er bislang noch keines seiner Werke. "Dafür habe ich zu viel Zeit mit ihnen verbracht." Denn beim Arbeiten vergisst er oft die Welt um sich herum.

Am Sonntag, 15. Juli, stellt Lothar Schmadtke von 11 bis 18 Uhr auf dem Hof seines Künstlerkollegen Thomas Konwiarz in Gnarrenburg, Klendorf 27d, erstmalig seine Arbeiten aus.