Gastronomie

Im Einsatz für keimfreien Biergenuss

Glinde. Ein frisch gezapftes Bier gehört für viele beim Restaurantbesuch dazu. Doch Fassbier ist Vertrauenssache.

Denn der Gerstensaft kann Darmbakterien enthalten, wenn die Zapfanlage nicht richtig gereinigt ist. Lebensgefährlich sind die Bakterien nicht, können aber unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen.

Damit es gar nicht soweit kommt, ist Siegesmund Grüning im Einsatz. Seit sechs Jahren ist der 63-jährige Horner auch regelmäßig in Glinde unterwegs. Alle 14 Tage ist der Getränkeleitungsreiniger im Restaurant "Grando Sukredo" an der Möllner Landstraße im Einsatz, baut Zapfhähne ab, schrubbt sie sauber, entkeimt Schläuche mit einer Speziallösung und überprüft den Druck in den Anlagen - damit das Bier auch richtig schäumt. "Den Gastwirten wird empfohlen, ihre Anlagen alle 14 Tage gründlich reinigen zu lassen", sagt Grüning. Doch seit dem Wegfall der Schankanlagen-Verordnung im Jahr 2005 gibt es keine eindeutigen Vorgaben mehr. Ob ein Schankwirt seine Anlage ordentlich reinigt, ist demnach tatsächlich Vertrauenssache.

Es sei denn, der Verbraucherschutz steht auf der Matte und nimmt ein paar Proben. "Da, wo ich regelmäßig reinige, war bislang alles in Ordnung", sagt Grüning stolz. Und auch "Grando-Sukredo"-Chef Gurtek Singk Bajwa erklärt: "Meine Gäste waren stets mit der Qualität des Bieres zufrieden."

Zwar freut Grüning das Lob, dennoch werden die Zeiten für ihn nicht einfacher: "Die Konkurrenz ist groß, und die Kneipen werden immer weniger." Laut Statistischem Bundesamt musste allein in den vergangenen elf Jahren jede vierte Kneipe bundesweit schließen, in Hamburg war es sogar jede zweite. "Der Zeitgeist hat sich geändert. Die Leute trinken ihr Feierabendbier zu Hause. Die jungen Leute sitzen lieber in Bars und Cafés", sagt Grüning. Doch nicht nur Kneipen, auch Sportvereine mit Schanklizenz, Golfclubs, das Geesthachter Kino und ein FKK-Club gehören zu seinem Kundenstamm. Den hat er vor zwölf Jahren von seinem Vorgänger übernommen, der die Branche gewechselt hat.

Zu dem Zeitpunkt war Grüning bereits 51 Jahre alt und musste sich noch einmal umorientieren. Zuvor arbeitete er als leitender Mitarbeiter im Getränkegroßhandel, bis sein alter Chef entschied, die Firma zu verkaufen. Seitdem fährt er mit seinem Ein-Mann-Unternehmen von Hamburg bis nach Ahrensburg und entkeimt, wo es nötig ist. Eine Zusatzausbildung als Getränkeleitungsreiniger braucht man nicht. Dafür aber technisches Verständnis, Kraft in den Armen für die bis zu 30 Kilogramm schweren Arbeitsgeräte und die Fähigkeit, mit Wirten umgehen zu können. Denn die sind eine Spezies für sich, wie er sagt. Grüning kann das: Von einigen Kneipen hat er sogar einen Schlüssel.

Die wohl schmutzigste Anlage hat der 63-Jährige in einer Kneipe in Wilhelmsburg gesehen: "Allein von den Zapfhähnen war das Wasser im Eimer schwarz." Da sei selbst ihm, der sich noch zu den Kneipengängern zählt, die Lust auf das Bier vergangen. Das gönnt sich der Horner sowieso nur einmal alle zwei Wochen am Ende einer Tour. Dann reinigt er bei einem Sportverein um die Ecke. Nach getaner Arbeit gibt es ein frisch Gezapftes - natürlich keimfrei.