Obdachlosenheim

"Viele wollen so leben"

Glinde (unb). Wer in Glinde obdachlos wird, muss nicht auf der Straße leben: Zehn Zimmer in der Villa Togohof stellt die Stadt Menschen ohne Obdach zur Verfügung. Derzeit sind neun Zimmer belegt, berichtete Ordnungsamtsleiter Bernd Mahns im Sozialausschuss.

Eine Anfrage dazu stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Bei den Bewohnern handelt es sich um acht allein lebende Männer sowie um ein Ehepaar, das sich ein Zimmer teilt.

In den kommenden Wochen wollen sich die Politiker nun mit der Frage beschäftigen, ob die Wohnsituation in der Villa menschenwürdig ist. Denn obwohl die Stadt in den vergangenen neun Jahren rund 165 000 Euro in die Instandhaltung der alten Villa gesteckt hat, sind die Zustände im Haus katastrophal: Waschbecken sind zugemüllt, Türblätter ausgehängt oder kaputt, Wände beschmiert, der Fußboden schmutzig, die Schränke schmierig.

"Für die Sauberkeit im Haus sind die Bewohner zuständig", sagt Mahns. Sie müssen sich an die Vorgaben der Hausordnung halten. Einmal in der Woche ist ein Hausmeister für zwei Stunden für kleinere Reparaturen und als Ansprechpartner vor Ort.

"Das ist viel zu wenig. Was diese Menschen brauchen, ist professionelle Hilfe und Unterstützung beim Wiedereinstieg in ein normales Leben", sagt Jutta Freitag (CDU). Die allerdings könnten weder der Hausmeister noch die Mitarbeiter des Sozialamtes leisten, sagt Mahns. Dafür müsste eine zusätzliche Kraft eingestellt werden. Außerdem wies der Ordnungsamtschef darauf hin, dass viele der Bewohner solch ein Leben wollten: "Einige wohnen seit Jahrzehnten im Obdachlosenheim, weil es bequem ist und sie wenig oder gar nichts zahlen müssen." Die Menschen seien eigentlich verpflichtet, sich um eine eigene Wohnung zu bemühen. Laut Mahns tun sie dies aber nicht, und im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen lasse Glinde sie in Ruhe.

Die Fraktionen wollen sich nun Gedanken machen, wie sie die Wohn- und Lebenssituation der Obdachlosen verbessern können und ob eine soziale Betreuung sinnvoll ist.