Musiker

Dieser Kontrabass kommt viel herum

Glinde. Sein Kontrabass drohte schon einzustauben. Jahrelang hat Klaus Lüers seine frühe Leidenschaft, die Musik, hintangestellt. Hat als Hotelkaufmann Spät- und Nachtschichten geschoben, um seine Familie zu ernähren.

Vor vier Jahren, als die beiden Kinder mit Anfang 20 aus dem Haus waren, hat Lüers seine lebenslange Leidenschaft zum Beruf gemacht: Er wurde hauptberuflich Musiker. "Erst jetzt, nach vier Jahren, läuft es recht gut. Das hat seine Zeit gebraucht", sagt Lüers.

Den Trubel in einem Hotel erlebt der 55-Jährige mittlerweile nur noch auf andere Art: Etwa, wenn er an lauen Sommerabenden in Hotelbars auf Gran Canaria Jazz und Blues auf seinem Kontrabass spielt - gemeinsam mit seiner Band "Homefield Stompers". Oder wenn er in Dresden die Raddampferfahrten auf der Elbe musikalisch begleitet.

Um als freiberuflicher Musiker ein Auskommen zu haben, spielt Lüers in zehn Bands mit, die er mit dem Kontrabass, der Bassgitarre oder dem Akkordeon unterstützt. Zusätzlich ist er allein als Jazzpianist, Akkordeon-Entertainer, Alleinunterhalter und DJ unterwegs. An jedem Wochenende stehen vier bis sechs Auftritte an. Neben Jazz und Blues spielt er Oldies, Pop, Schlager und macht auch vor Volksmusik nicht Halt. "Am schönsten sind die Momente, in denen ich sehe, dass die Leute glücklich sind", sagt Lüers. "Da ist es mir egal, ob ich vor fünf oder 5000 Leuten spiele. Wenn ich wieder gebucht werde, ist das der größte Erfolg."

Dennoch würde er jungen Leuten nicht unbedingt zum Musikerleben raten. "Das Drumherum, der Stress. Man muss alles selbst machen: Klinken putzen, Werbung machen, Demos herstellen. Es ist schwer, sein Auskommen zu haben." Als seine Frau studierte, arbeitete Lüers im Hotel. Jetzt stützt die Grundschullehrerin ihren Mann ein wenig mit. "Man kann von Musik leben, ja", sagt Lüers. "Aber wenn ich alleine wäre, müsste ich mir eine kleinere Wohnung nehmen."

Seinem Sohn hat er ein Musikstudium ausgeredet, so wie es einst sein eigener Vater getan hatte, obwohl Musik im Elternhaus in Bad Zwischenahn dazu gehörte. "Zu Hause standen überall Instrumente herum", erinnert sich Lüers. Mit sechs Jahren lernte er Klavier, mit acht eignete er sich den Kontrabass des großen Bruders an. "Ich war nach der Schule immer als erster zu Hause, dann legte ich die Jazzplatten meines Vaters auf und begleitete die Musik mit dem Kontrabass - mit Hilfe eines Hockers, um die noch mangelnde Körpergröße auszugleichen." Der Kontrabass ist heute sein Herzensinstrument. "Man kann damit viel gestalten, Songs traurig oder fröhlich klingen lassen. Aber der Bass muss nicht im Mittelpunkt stehen - genauso wenig wie ich."

Live ist Klaus Lüers mit seiner Band "Homefield Stompers" am Sonnabend, 16. Juni, im Bürgersaal im Kratzmannschen Hof, Möllner Landstraße 22, zu erleben. Das Doppelkonzert mit den "Appeltown Washboard Worms" steht unter dem Motto "Jazz meets Skiffle". Beginn: 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr). Karten für 12/15 Euro können unter Telefon (040) 53 30 50 78 reserviert werden.