SPD

Die Zukunft gehört dem Radverkehr

Oststeinbek. Dem Fahrrad gehört die Zukunft - da waren sich die Besucher des Infoabends der SPD am Donnerstag einig. "Oststeinbek bietet sich als Ort mit kurzen Wegen zum Radfahren geradezu an", sagte Günter Weigt, wählbarer Bürger für die SPD im Ortsbeirat Havighorst.

Der Lehrer und leidenschaftliche Radfahrer (57) erläuterte an den Beispielen Hamburg, München und dem Ruhrgebiet, dass eine gezielte Förderung des Radverkehrs die Lebensqualität einer Gemeinde steigern kann. Der Wert des Autos als Statussymbol wandele sich gerade: "Unsere Enkel werden sicher nicht mehr so viel Auto fahren wie wir", stellte Weigt fest. Reiner Hinsch, Vorsitzender des Verbandes Öffentlicher Verkehr in Stormarn, empfahl deshalb, in die Zukunft, also in Radwege und Infrastruktur zu investieren: "Je attraktiver die Möglichkeiten, desto mehr wird Rad gefahren."

Ob Oststeinbek fahrradfreundlich ist, diese Frage warf Weigt mithilfe vieler Bilder für die Möllner Landstraße, die Stormarnstraße und Havighorst, für die Wohngebiete sowie das Gewerbegebiet auf. Der 57-Jährige berichtete außerdem von den Ergebnissen des Verkehrsforums Billstedt/Horn im Mai. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 2010 hebt die Radwegenutzungspflicht bis auf Gefahrensituationen auf - das gilt auch für die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Die blauen Gebotsschilder aber stehen noch an vielen Stellen in der Gemeinde. Weigt zeigte unter anderem ein Bild des Radweges hinter der Bushaltestelle Uferstraße an der Stormarnstraße. Dort treffen im ungünstigsten Fall Kinder, die auf den Bus warten, Fußgänger und Radfahrer aus zwei verschiedenen Richtungen aufeinander. "Ich vermute, dass auch hier die Benutzungspflicht aufgehoben wird", sagte er. Denn Studien haben gezeigt, dass das Fahren auf dem Radweg riskanter ist als auf der Straße: Auf der Fahrbahn bemerken Autofahrer die Radler rechtzeitig und reagieren umsichtiger. Auf Radwegen kommt es hingegen an Ein- und Ausfahrten häufig zu Unfällen, weil die Autofahrer die Radler hier übersehen.

Weigt wies aber auch auf viele andere verbesserungswürdige Stellen hin: Denn zu hohe Bordsteinkanten, unübersichtliche Radweg-Verschwenkungen, enge Umlaufsperren und Straßenschäden machen den Radlern das Leben ebenfalls schwer. Viele Risiko-Stellen wie die Beschilderung scheinen sich schnell und kostengünstig aus der Welt schaffen zu lassen, andere wie eine Verlegung des Radweges an der Stormarnstraße bedürfen sorgfältiger Planung, kosten also Geld und Zeit. Während erstere vielleicht schon von der Verwaltung beseitigt werden können, seien letztere Aufgabe der Politik, stellte Fraktionschefin Irene Kastner fest.

Die Aufhebung der Radwegenutzungspflicht umzusetzen, braucht allerdings noch Zeit. Wie viele der Gebotsschilder noch in Stormarn stehen, kann Dirk Willhoeft, Leiter der Verkehrsaufsicht, nicht sagen. "Diese Schilder sind seit Jahrzehnten angeordnet worden, sie auf einen Schlag zu entfernen wäre utopisch und sinnlos", sagt er. "Denn vorher müssen wir sie vor Ort überprüfen." Er rät Weigt dazu, die Schilder bei der Verkehrsaufsicht anzuzeigen, damit sie gemeinsam mit Verwaltung, Polizei und Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr vor Ort kontrolliert werden können.