Standesamt

Kaum Chancen, im Gutshaus zu heiraten

Glinde/Reinbek. Anfang des Jahres hat die Reinbeker Verwaltung die standesamtlichen Pflichten für die Mitglieder des Mittelzentrums mit Reinbek, Wentorf, Barsbüttel und Glinde übernommen. Ein Einsparpotenzial von etwa 15 000 Euro erhofften sich die Glinder Stadtvertreter von dieser Zusammenlegung.

In keinem Fall sollte es Nachteile für heiratswillige Glinder geben. Nun ist die Enttäuschung bei diesen Brautleuten groß. Denn sie bekommen keinen Termin im Gutshaus.

Alena Stühmer (28) und ihrem Verlobten Thorsten Wenck (36) ist das gehörig aufgestoßen. "Wir wollten am 1. Juni im Gutshaus heiraten und haben am 1. Dezember im Glinder Standesamt angefragt. Da hieß es, das Standesamt werde am 1. Januar nach Reinbek verlegt. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber es gab keine Chance auf diesen oder überhaupt einen Termin im Juni in Glinde. Wir hätten ja auch eine Aufwandsentschädigung für den Weg und die zusätzliche Arbeit gezahlt. Vielleicht hätten wir mehrere Paare zusammenbekommen. Das Klischee von unflexibler Verwaltung wird hier total erfüllt. Es gibt fünf fixe Termine und das war's", erzählt Alena Stühmer ärgerlich und traurig zugleich. Denn sie hat die Trauung ihres Bruders und auch die von Freunden im Gutshaus in Erinnerung.

Wiebke Exner (39) wollte am 9. März heiraten. "Eine Woche später gebe es einen Termin im Gutshaus, hat man mir gesagt. Das ist ein Unding. Ich wohne und arbeite hier und wollte hier auch heiraten", klagt sie. Pikant: Ihre Mutter Marietta Exner hat als SPD-Stadtverordnete für die Auslagerung gestimmt. "Man hat uns zugesichert, dass Glinder, wenn sie es wünschen, im Gutshaus heiraten können. Wenigstens ein Freitag im Monat muss hier angeboten werden", fordert sie.

Die Reinbeker Standesbeamten bieten aber tatsächlich im - im vergangenen Jahr noch renovierten und neu möblierten - Trauzimmer im Gutshaus für das ganze Jahr nur fünf Freitage an, an denen je fünf Paare getraut werden können. Es bleiben noch der 24. August (ausgebucht), der 19. Oktober, 2. November und 7. Dezember. "Wer will da heiraten?", fragt Alena Stühmer. "Und wer erkundigt sich erst beim Standesamt und legt danach den Hochzeitstermin fest? Niemand", sagt sie. Daran mag es liegen, dass sich in diesem Jahr erst ein Paar beim März-Termin im Gutshaus das Jawort gegeben hat.

Ursula Busch, CDU-Stadtvertreterin, ist sauer: "Ich hab' damals mit den Grünen gegen die Auslagerung gestimmt. Schließlich ist es eine Perle der Stadt." Auch sie fordert, dass die Zusagen eingehalten werden. Außerdem sei die individuelle Ansprache, wie es die Glinder gewohnt waren, dem Zeitdruck geopfert worden, beanstandet sie.

Reinbeks Pressesprecherin Meike Franell bestätigt, dass pro Trauung im Schnitt 30 Minuten angesetzt seien. In Glinde waren es stets 45 bis 60 Minuten und eine persönliche Ansprache war obligatorisch. Es gab Zeit zum Fotografieren und Anstoßen.

Weil Glinde Wert auf Festlichkeit legte, wurde jede Ehe im Gutshaus besiegelt. Für die durchschnittlich 135 Euro an Gebühren gibt es jetzt nur noch das schlichte Reinbeker Rathaus. 100 Euro extra fallen fürs Gushaus-Ambiente an. Für's freitags offene Reinbeker Schloss werden 150 Euro fällig.

Übrigens: Egal wie oft es genutzt wird, kostet das Trauzimmer die Stadt jährlich 5200 Euro für Miete und Bewirtschaftung. Erste Stimmen fordern, das Standesamt zurückzuholen.