Thema der Kirche

Der Weg ins Erwachsenenleben

Rolf Kemper ist Pastor an der Maria-Magdalenen-Kirche in Reinbek.

Ich freue mich auf den kommenden Sonntag. An vielen Orten werden dann wieder festlich gekleidete junge Menschen in ihre Kirche einziehen. Die Orgel spielt - oder der Posaunenchor. Die Gemeinde steht auf, ein Zeichen der Achtung gegenüber diesen Jugendlichen.

Konfirmation - sie markiert einen Übergang. Zwölf Jahre alt waren die Jungen und Mädchen bei der Anmeldung. Jetzt sind es Jugendliche. Teilweise wirken sie schon richtig erwachsen. Vieles hat sich verändert, äußerlich und innerlich. Ein oder zwei Jahre hat die Vorbereitung gedauert, in der Mitarbeitende, Pastorinnen und Pastoren die Jugendlichen begleitet haben. Sie haben Kirche kennengelernt mit ihren Inhalten und Erscheinungsformen. Sie konnten Fragen stellen. Auch solche, für die sie sonst keinen Ort haben. Eine spannende, für beide Seiten nicht immer leichte Zeit geht zu Ende.

Und nun werden sie gesegnet. Ihnen wird die Zusage Gottes mit auf den Weg gegeben, bei ihnen zu bleiben. Wie werden sie diese Zusage hören? Es gibt immer wieder die Klage, dass Jugendliche "aus der Kirche hinaus" konfirmiert würden. Ich glaube, das ist falsch. Es sind Jugendliche, die ihren Weg gehen. Und auf dem Weg des Lebens sind zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Dinge wichtig. Schule, Liebe, Berufsfindung, politisches Engagement, sie werden gefordert, müssen sich entscheiden und ihren Weg finden. Wenn ihr Vertrauen in Gott, das Wissen um seinen Willen und die Gewissheit seiner Liebe ihnen dabei eine Hilfe ist, wirkt der Segen in ihren Alltag hinein.

Umfrage: Wann ist man wirklich erwachsen?

Wir haben die Mitarbeiter des Glinder Kinderhauses gefragt: Wann ist man eigentlich erwachsen?

Lena Schmöcker (22), Praktikantin: "Erwachsenwerden ist ein lebenslanger Prozess. Es gibt immer wieder Fortschritte und Rückschritte. Und jeder Erwachsene ist auch ein Stück weit ein Kind geblieben."

Adrian Richter (22), Freiwilligendienstler: "Erwachsen ist, wer mit beiden Beinen fest im Leben steht, einen Job hat und ein festes Einkommen. Auf jeden Fall sollte man selbst für sich sorgen können."

Matthias Richter (56), Leiter des Kinderhauses: "Volljährigkeit gehört für mich dazu. Und dass man ein kleines Stück weiter denkt, als in der jetzigen Situation. Ich habe mich an meinem 40. Geburtstag so richtig erwachsen gefühlt."

Eva Krause (36), Erzieherin: "Im Berufsleben stehen und eine eigene Wohnung haben, sind Dinge die beim Erwachsenwerden helfen. Die meisten haben das mit 18 Jahren noch nicht und sind in diesem Alter noch auf Sinnsuche."