Serie: Wohnen in Glinde – Avenue

Champions League und Kaffeekränzchen

Bevor Bayern München im Champions League-Finale gegen den FC Chelsea London antritt, rollt Berta Möller ihren Fernseher aus dem Schlafzimmer über den Hausflur in den Gemeinschaftsraum. Denn hier spielt sich ein Großteil des Lebens im Haus an der Avenue St. Sebastièn ab. Hier sind vor eineinhalb Jahren 54 Seniorenwohnungen entstanden. Die Mieter sind alle über 60 Jahre alt, die meisten alleinstehend. "Das Fußball-Finale muss hier aber niemand allein anschauen", sagt Bayern-München-Fan Berta Möller. Gemeinsam mit ihrem Mann Gerd zog die 71-Jährige vor eineinhalb Jahren aus ihrer Wohnung in Neuschönnigstedt nach Glinde. "Die alte Wohnung war zwar größer, aber sie lag in der zweiten Etage."

Als das Paar von den neu entstandenen, altengerechten Wohnungen an der Avenue hörten, vereinbarte es sofort einen Besichtigungstermin. Nur eine Nacht haben sie darüber geschlafen und sich dann für die Zweiraumwohnung entschieden. "Die Wohnung liegt im Erdgeschoss, es ist alles barrierefrei und in der Nähe gibt es Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte. Das Theater im Forum ist auch nicht weit und unsere Kinder wohnen nur zehn Minuten entfernt", sagt Gerd Möller. "Wir wohnen direkt im Glinder Zentrum und haben uns hier schnell zu Hause gefühlt." Ihre 57-Quadratmeter-Wohnung ist mit einem barrierefreien Bad und breiten Türen ausgestattet.

In den 54 Wohnungen leben etwa 80 Mieter. Die Warteliste ist lang. Der Gemeinschaftsraum ist für viele das Herz des Hauses. Als sie den Raum nach über einem Jahr endlich bekamen, gestalteten sie ihn gemeinsam. Der Vermieter stellte die Möbel, den Rest haben die Hausbewohner beigesteuert: Sie haben ausgelesene Bücher in die Regale gestellt, Spiele und Kaffee-Services beigesteuert. Letztere werden regelmäßig genutzt. Wenn sich die Bewohner zum Kaffee treffen, kommen einstige Baggerfahrer mit ehemaligen Bankern ins Gespräch - oder es wird Skat gespielt.

"Es ist einfach schön, wenn alle mal zusammenkommen", sagt Berta Möller, die alle "Bibi" nennen. "Einsam muss hier niemand sein. Und jeder backt mal einen Kuchen." In einem Haus, in dem nur Senioren wohnen, ist es nicht anders als bei der jüngeren Generation, sagt Gerd Möller. Manch einer möchte lieber seine Ruhe haben, und es gibt immer jemanden, der mäkelt. Aber wie bei jungen Leuten knallen auch mal spontan die Sektkorken: "An Silvester haben wir um 22 Uhr beschlossen, im Gemeinschaftsraum zu feiern. Da haben wir die Bude ein bisschen bunt gemacht und waren erst um 3 Uhr im Bett."

Nach Glinde zu ziehen, war für das Ehepaar eine gute Entscheidung. "In der Wohnung in Neuschönningstedt hätte einer allein das nicht mehr geschafft. In unserem Alter muss man ja voraus denken", sagt Berta Möller. "Wenn einer von uns mal nicht mehr ist, kann der andere die Wohnung behalten."

"Wir wohnen direkt im Glinder Zentrum und haben uns hier schnell zu Hause gefühlt. Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Theater sind in der Nähe."

Gerd Möller, Bewohner