Brandstiftung

Feuerteufel zündet 17 Papiertonnen an

Glinde. Wie in einem schlechten Film müssen sich die 14 Feuerwehrleute vorgekommen sein: Im Minutentakt brannten gestern in den frühen Morgenstunden im gesamten Stadtgebiet 17 Papiercontainer und -tonnen.

Um 2.45 Uhr geht zum ersten Mal der Pieper: Ein Container an der Dorfstraße steht in Flammen. Kurz nachdem der Brand gelöscht ist, rasen die Freiwilligen mit zwei Löschfahrzeugen zu einem brennenden Papiercontainer an den Sandweg. Die hochschlagenden Flammen beschädigen einen daneben parkenden Mercedes leicht im Frontbereich. Der Schaden wird auf 600 Euro geschätzt. Dann geht erneut der Alarm: Am Ahornweg und am Holstenkamp steht jeweils ein Container in Flammen, wenig später brennen sieben weitere am Kuno-Hanke-Weg sowie zwei Tonnen am Oher Weg.

Zeit zum Durchatmen haben die Feuerwehrleute nicht: Um 4.50 Uhr schlagen meterhohe Flammen aus zwei Tonnen am Rödenbrooksweg. Kurz nach fünf Uhr rasen die Freiwilligen in den Kupfermühlenweg, um einen brennenden Altpapiercontainer zu löschen. Der stand nur einen Meter von der Kupfermühle entfernt. Das böse Spiel endet im Stettiner Weg, wo die Feuerwehr um 5.25 Uhr die 17. und letzte Tonne löscht.

"Wir gehen von Brandstiftung aus", sagt Feuerwehrchef Michael Weidemann. Besonders perfide: "Bei den Einsätzen fuhren wir an Tonnen vorbei, die wenig später in Flammen standen." Wie die Feuer entzündet wurde, ist noch unklar. "Es reicht aber schon, eine brennende Zigarette hineinzuwerfen", so Weidemann. Dass Container in Brand gesteckt werden, komme immer mal wieder vor. "Ungewöhnlich ist nur die große Zahl und die Tatzeit." Polizei-Chef Eggert Werk vermutet hinter den Bränden einen Einzeltäter, der wahrscheinlich zu Fuß unterwegs war. "So konnte er sich besser verstecken als mit einem Auto." Hinweise gibt es bislang nicht. "Aber wir werden jetzt verstärkt Streife fahren", sagt Werk.

Polizei und Feuerwehr gehen davon aus, dass weitere Taten folgen. Schon in der Nacht zu Montag hatten Unbekannte in Barsbüttel und Oststeinbek jeweils ein Wahlplakat in Brand gesteckt. Werk vermutet hinter den Taten Langeweile. Die allerdings ist sehr kostspielig: Allein der Schaden der verbrannten Mülltonnen wird auf 1500 Euro geschätzt.

Peter Kind, ehemaliger Feuerwehrchef, fühlt sich stark an eine Brandserie erinnert, die die Stadt vor Jahren monatelang in Atem hielt: Immer wieder wurde die Wehr zu Einsätzen gerufen, um in Brand gesetzte Keller zu löschen. Der Täter wurde auf frischer Tat ertappt, als er dabei war, ein Feuer am Markt zu legen.