Schwimmen lernen

Später Sprung ins kalte Wasser

Glinde. Ein Leben lang ist Elke Ficht tiefem Wasser aus dem Weg gegangen, fuhr im Urlaub in die Berge statt ans Meer, weil sie nicht schwimmen konnte. "Ich habe es nie gelernt", sagt die Bergedorferin.

Als sie 70 Jahre alt war, nahm sie allen Mut zusammen und holte es nach. Das war vor eineinhalb Jahren. Jetzt geht sie ohne Angst ins Wasser - auch wenn der Rettungsring immer in der Nähe sein muss.

Die Angst nimmt Carmen Holst, Leiterin des TSV-Schwimmlernkurses für erwachsene Frauen, den Teilnehmerinnen. Sicherheit bekommen die Anfängerinnen durch Schwimmhilfen wie Nudeln, Bretter und Ringe aus Styropor. Auch haben sie die Gewissheit, dass sie nicht untergehen können - das Lehrschwimmbecken in Billstedt ist nur 1,50 Meter tief. Erst im zweiten Schritt bringt sie den Teilnehmerinnen die Technik bei. Nach drei Übungseinheiten können die meisten ohne Hilfe schwimmen. "Das geht schneller als bei Kindern", weiß TSV-Geschäftsführer Joachim Lehmann. "Erwachsene sind beim Bewegungslernen verkopfter, wollen erst verstehen, was sie tun. Kinder hingegen lernen unbeschwerter, aber auch linear, während Erwachsene beim Lernprozess auf ihren Erfahrungen aufbauen."

Es heißt zwar: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Das gilt aber schon lange nicht mehr. Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass Menschen das ganze Leben lang neue Bewegungsabläufe erlernen können. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Zentrums für Lebenslanges Lernen an der Jacobs University Bremen. 1206 Testpersonen zwischen 6 und 89 Jahren sollten da Jonglieren üben: Am geschicktesten stellten sich zwar die 15- bis 29-Jährigen an, aber zwischen den 30- und 75-Jährigen waren die Unterschiede sehr gering - fast alle konnten nach sechs Übungseinheiten die Bälle in der Luft halten. Nur den über 80-Jährigen gelang das seltener. Fazit: Erst im hohen Alter gibt es beim Lernen Einschränkungen.

Was fürs Jonglieren gilt, gilt auch fürs Schwimmen. Diese Erfahrung hat auch Phuong Ngo gemacht. Die zweifache Mutter gehört mit ihren 32 Jahren zwar noch lange nicht zu den Senioren, ihr sechsjähriger Sohn ist der Neuschönnigstedterin aber schon um einiges voraus. Er hat bereits das Seepferdchen-Abzeichen. Das konnte sie als Kind in ihrer Heimat Vietnam nicht ablegen.

Fadime Ceylan hätte als junges Mädchen zwar am Schwimmunterricht teilnehmen können, "doch das wollte mein Vater aus religiösen Gründen nicht", sagt die 36-jährige Muslimin aus Glinde.

Acht Übungseinheiten sind vorgesehen, doch viele Frauen bleiben länger. Denn neben dem Schwimmen, lernen die Teilnehmerinnen vor allem eins: Bewegung im Wasser bringt viel Spaß. Mit gleichmäßigen Schwimmzügen gleitet Georgia Vogt durch das zwölf Meter lange Becken. Vor einem Jahr hatte sie davor Angst. "Jetzt genieße ich es, dass das Wasser mich trägt", sagt die Oststeinbekerin (47).

Es gibt noch freie Plätze. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Anmeldungen zu dem Kursus sind im TSV-Büro unter Telefon (040) 710 72 15 möglich. Acht Einheiten kosten 40 Euro.