Energiewende

SPD will die Stromriesen ausbremsen

Glinde (unb). Revolutionen hat die SPD schon immer gemocht. So auch die, die gerade auf dem Energiesektor losgebrochen ist.

Als "Revolution" bezeichnet zumindest Wilfried Voigt den Atomausstieg und die damit verbundene Energiewende am Freitag bei einem SPD-Diskussionsabend zum Thema Energiewende im Bürgerhaus. Voigt war von 1996 bis 2005 Energiestaatssekretär in Kiel. "Den meisten nützt diese Revolution, einigen wenigen Betuchten schadet sie", sagt der SPD-Mann. Mit den Betuchten meint er die vier großen Stromkonzerne, deren Macht die Genossen laut Parteiprogramm brechen wollen. Voigt spricht von einem "ganz neuen Wirtschaftszweig", der allein durch den Rückbau der Atomkraftwerke samt Entsorgung entsteht. Dieser profitable Zweig solle sogar mehr Arbeitsplätze schaffen, als derzeit der Betrieb der Kraftwerke bringt.

"Die Energiewende birgt große Chancen", bringt es SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner auf den Punkt. Das allerdings setzt voraus, dass die Bevölkerung mitgenommen wird und sich keiner sperrt, wenn es um den Netzausbau durch neue Hochspannungsleitungen und um das Aufstellen von Windkraftanlagen vor der eigenen Haustür geht.

Davon kann ein Stellauer Landwirt ein Lied singen: Seit Monaten kämpfe er für das Aufstellen von sechs Windrädern entlang der Autobahn 24, sagt er. Doch die Barsbütteler Gemeindevertreter entschieden sich dagegen - wegen der befürchteten Geräuschkulisse, der Blinklichter auf den Generatoren und weil sie sich die Flächen für die Ausweitung des Gewerbegebietes vorbehalten wollen. "Das ist ein typisches Beispiel, wie es nicht laufen soll", so Stegner. Er warnt: "Wenn wir es nicht machen, dann machen es andere." In Mecklenburg-Vorpommern stehen schon jetzt überall entlang der Autobahn Windkrafträder und Photovoltaikanlagen.

Irgendwann werden solche Diskussionen überflüssig, glaubt Detlef Palm, Geschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen: "Es kommt eine Zeit, da hat jeder sein eigenes Kraftwerk im Schrank." Die dezentrale, örtliche Energiegewinnung sei die Zukunft. Schon jetzt setzten Kommunen bundesweit wieder auf eigene Stadtwerke. Bestes Beispiel dafür sei das neu gegründete E-Werk Sachsenwald.