Überfall und Betrug

Die ständige Angst an der Tankstelle

Glinde. Seit dem Überfall auf die Star-Tankstelle an der Möllner Landstraße vergangenen Mittwoch geht es Petra W. "nicht gut". Es war das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass Vermummte in den Verkaufsraum stürmten, die Angestellte mit einer Waffe bedrohten und Geld forderten.

Auf diesen Fall hat der Tankstellenpächter Thomas Petersdorf seine Mitarbeiter vorbereitet: In einer Schulung lernen sie, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen. "Aber damit rechnet doch niemand", sagt Petra W.

Sie belastet die Erfahrung so sehr, dass sie sich nun psychologische Betreuung suchen will. Seit drei Jahren arbeitet sie an der Tankstelle. Ob sie bleibt, kann sie nicht sagen. Denn die Angst sei immer da.

Wer hinter den Überfällen steckt, weiß die Polizei nicht: "Wir haben zwar gutes Videomaterial, doch die Täter waren jeweils vermummt", sagt Polizei-Chef Eggert Werk. Deshalb schließt er auch nicht aus, dass sie aus Glinde stammen. Dass hinter beiden Überfällen auf die Tankstelle an der Möllner Landstraße ein und derselbe Täter steckt, hingegen schon - bei dem ersten Überfall im Februar 2011 handelte es sich um eine Gruppe, beim zweiten um einen Einzeltäter.

Auch wenn Videoüberwachung und Notrufknopf Überfälle nicht verhindern können, "sie lohnen sich nicht wirklich", sagt Sigrid Pook, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche (BTG, 4500 Mitglieder). "Bei den meisten Tankstellen liegen stets nur wenige Euro in den Kassen. Das Geld kommt in einen Tresor, den selbst der Mitarbeiter nicht öffnen kann." Bei Shell beispielsweise geschieht das automatisch. Außerdem zahlen immer weniger Kunden mit Bargeld. Wie sehr eine Tankstelle gesichert ist, hängt allerdings vom jeweiligen Betreiber ab.

Die Zahl der Überfälle auf Tankstellen hat in den vergangenen Jahren laut Kriminalitätsstatistik nicht zugenommen, bestätigt auch Eggert Werk. Viel mehr beunruhigen Tankstellenbetreiber die gehäuften Benzindiebstähle in den vergangenen Monaten. "Seitdem der Preis für einen Liter Benzin über 1,50 Euro gestiegen ist, tanken immer mehr Autofahrer, ohne zu bezahlen", sagt Wolfgang Rohrbeck. Der Berliner ist Verbandsvorsitzender des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost und betrieb jahrelang selbst eine freie Tankstelle in Berlin.

Im Einsatzbereich von Eggert Werk sind vom Benzindiebstahl vor allem die Oststeinbeker Tankstellen an der Möllner Landstraße betroffen, möglicherweise, weil sie so nah an Hamburg liegen. Weil viele Diebe mit falschen oder gestohlenen Nummernschildern vorfahren, ist es schwierig, sie zu schnappen. Auf dem entstandenen Schaden bleiben die Betreiber freier Tankstellen sitzen.

"Tankstellenbetreiber können sich gegen den Spritklau kaum schützen. Es sei denn, sie stellen eine Schranke auf, die erst hoch geht, wenn die Rechnung bezahlt ist", sagt Rohrbeck. Das würde aber viele Kunden abschrecken. Wenn die Diebstähle aber weiter zunehmen, geht er davon aus, dass es in Deutschland bald skandinavische Verhältnisse gibt: Wer tanken will, muss erst seine Kreditkarte in die Säule stecken.