Diskussions-Treff

Weltpolitik bei Kaffee und Butterkuchen

Glinde. Morgen wird das Geschirrgeklapper wieder durchs Bürgerhaus hallen. Jeden zweiten Donnerstag treffen sich die Teilnehmer des Diskussions-Treffs 60plus hier bei Kaffee und Kuchen und sprechen angeregt über Aktuelles aus der Welt-, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik.

Und das nun schon seit 20 Jahren. Geburtstag.

1992 hat Marietta Exner das Treffen ins Leben gerufen. Damals gehörte die Glinderin zwar mit ihren 58 Jahren noch nicht zur Generation 60plus, "doch als SPD-Ortsvorsitzende wollte ich etwas schaffen, wo auch die Älteren aktiv am Politikleben teilnehmen", sagt sie.

Das ist ihr gelungen - die 40 Stühle im Kaposvárzimmer sind häufig bis auf den letzten Platz besetzt. Gäste sind keineswegs nur SPD-Anhänger. Alle aber sind Politikinteressierte, die gern und heftig diskutieren. "Wir wollten nie wie eine Awo-Veranstaltung sein, wo nur Kaffee getrunken und Kuchen gegessen wird", sagt Exner, die mit einer kleinen Glocke dafür sorgt, dass die Diskussionen nicht außer Kontrolle geraten.

Zu den am besten besuchten Veranstaltungen der vergangenen 20 Jahre gehörte die mit Heide Simonis. Für die damalige Ministerpräsidentin zog der Diskussionstreff extra in den großen Festsaal um. Auch da blieb kein Stuhl leer.

Ein wenig stolz ist Marietta Exner schon darauf, wer ihrem Ruf nach Glinde schon alles gefolgt ist: Der damalige Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose war da, die Sektenexpertin Ursula Caberta und Ralf Stegner, damals noch Kieler Innenminister. Stolz ist die 78-Jährige auch, dass sich Bürgermeister Rainhard Zug während seines Wahlkampfes als erstes den 60plus-Senioren vorstellte.

Überredungskunst braucht es laut Exner nie, die Referenten kommen gern und lassen sich Löcher in den Bauch fragen. So ist der Besuch von Glindes Polizeichef längst Tradition. Einmal pro Jahr stellt Eggert Werk die aktuelle Kriminalitätsstatistik vor und gibt den Senioren Tipps für ihre Sicherheit. Oder der Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes berichtet Neuigkeiten aus Berlin. Ausgefallen ist in den zwei Jahrzehnten kein einziger Termin. Und wenn doch ein Referent mal absagt, springt kurzfristig Marietta Exner ein, referiert über "Aktuelles aus der Politik".

Morgen ist SPD-Landtagsabgeordneter Martin Habersaat (35) zu Gast. Der Lehrer gibt von 15 Uhr an eine Deutschstunde im Bürgerhaus, Markt 2, und liest aus dem preisgekrönten Buch von Eugen Ruge "In Zeiten des abnehmenden Lichts" - eine Familiensaga, die unter anderem in der DDR spielt. Im Anschluss wird bei selbst gebackenem Butterkuchen über den Unrechtsstaat DDR diskutiert. Interessierte sind bei freiem Eintritt herzlich willkommen. Der Weg ist leicht zu finden: Einfach dem Geschirrgeklapper und dem Kaffeegeruch in den ersten Stock des Bürgerhauses folgen.