Thema der Kirche

Der Blick auf die Menschenwürde

Am Karfreitag sehen wir in die Abgründe, die sich auftun, wenn das Böse erst einmal seinen Lauf genommen hat. Dann vollziehen die Henkersknechte routiniert ihr schmutziges Handwerk.

Sie schlagen den Verurteilten ans Kreuz. Und die anderen ringsum erleben die Kreuzigung als schauriges Schauspiel. Das Böse hat eine mächtige, unbändige Anziehungskraft.

Wir sehen auf das Kreuz Jesu und erkennen, zu welcher Brutalität Menschen fähig sind. Der Unmenschlichkeit der Menschen steht eine tiefe Menschlichkeit Gottes gegenüber. Sie hat in Jesus sichtbare Gestalt gewonnen - in der Zuwendung zu den Ausgestoßenen und Verachteten.

Wenn wir die Passionsbilder der großen Maler anschauen, dann finden wir darin immer wieder, dass der leidende Jesus inmitten der brutalen, fast tierischen Fratzen der Täter und Zuschauer der einzige ist, der Würde ausstrahlt und uns wie ein Mensch ansieht. In dem Blick spüren wir unsere eigene Menschlichkeit. Die Bilder zeigen die Gottferne von uns Menschen. Und sie zeigen die Menschennähe Gottes, durch die wir uns und unsere Würde wiederfinden. Nichts anderes erzählen die biblischen Passionsgeschichten. Sie verherrlichen das Leiden nicht, und sie fordern schon gar nicht, dass wir uns zum Opfer machen. Aber sie zeigen, wie wir uns verlieren und wie Gott uns findet, sodass wir menschliche Menschen sein können.