Belohnung

Ehrliche Finderin gibt 8000 Euro ab

Glinde. Heidrun Hildebrandt traut ihren Augen kaum, als sie in den weißen Briefumschlag sieht. Den hat sie am Mittwochnachmittag neben einer Zapfsäule der Tankstelle an der Möllner Landstraße gefunden.

Die Glinderin beginnt zu zählen: sage und schreibe sechzehn 500-Euro-Scheine stecken darin. "Ist das Spielgeld?", schießt es der 45-Jährigen durch den Kopf.

Das ist es nicht. Das Geld hat kurz zuvor der Glinder Uzein Battijari von der Bank geholt. Der 27-Jährige war auf dem Weg zum Baumarkt, um Steine und Sand zu kaufen - er will in seinem Garten einen Teich anlegen. Dafür hat Battijari extra einen Kredit aufgenommen.

Bei einem kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle fällt ihm der Umschlag heraus, Battijari bemerkt es erst zehn Minuten später vor seiner Haustür. Sofort fährt er zurück, doch zu spät: Der Umschlag ist weg. In Panik geht er zur Polizei, meldet den Verlust. Eine halbe Stunde später der rettende Anruf: Sein Geld ist wieder aufgetaucht. "Sehr erleichtert" sei er gewesen, sagt der junge Mann.

"Der Mann hat Glück gehabt. Das Geld hat genau die Richtige gefunden", sagt Erika Andersen. Die Glinderin ist Heidrun Hildebrandts Schwägerin. Und die ist ihrer Meinung nach "ein richtiger Engel: ehrlich, hilfsbereit und liebenswürdig". Andersen fährt ihre Schwägerin zur Polizei.

Hildebrandt bringt Battijari zwar Glück, doch sie hatte es an dem Tag weniger: Kurz vorher war ihr Auto liegen geblieben und musste in die Werkstatt - zum wiederholten Mal in den vergangenen Wochen. "Diesmal ist es der Abgasschlauch", sagt die Glinderin. 300 bis 400 Euro soll die Reparatur kosten - viel Geld für die dreiköpfige Familie. Deshalb habe sie kurz davon geträumt, von den 8000 Euro ein neues Auto zu kaufen. "Doch dann hätte ich keine Nacht mehr durchschlafen können", sagt sie.

Am Ende geht auch ihr Tag gut aus: Überglücklich überreicht ihr Uzein Battijari einen großzügigen Finderlohn und zieht einen der 500-Euro-Scheine aus dem Umschlag: "Der tut mir weniger weh als 8000 Euro."