Mord

Das einsame und traurige Leben von Horst O.

Glinde. Grausam endete das Leben von Horst. O. Am Montag wurde seine Leiche im Kofferraum eines Autos gefunden, über Wochen abgestellt in einer Tiefgarage. Tragisches Ende eines bewegten Lebens, das von Einsamkeit und Schicksalsschlägen geprägt war.

Am 26. Dezember wurde er wahrscheinlich auf dem Friedhofsparkplatz in Oststeinbek erschlagen. Hier traf sich Horst O. mit seinem Mörder, einem 24-jährigen Glinder. Die beiden hatten sich im Internet kennengelernt und eine sexuelle Beziehung. Sie gerieten in Streit, der Glinder schlug mit einem Werkzeug zu. Am nächsten Tag entdeckte ein Passant eine große Blutlache, eine Brille und ein Gebiss. Die Polizei hatte damals keine Erklärung für den mysteriösen Fund. Nun scheint das Rätsel gelöst: Es ist wahrscheinlich, dass Brille und Gebiss Horst O. gehörten. Der Bluttest hatte damals schon ergeben, dass es sich um menschliches Blut handelte. Während die Polizei das Puzzle um die Tat zusammenfügt, ist das Motiv noch nicht geklärt. Sicher ist, es war eine Beziehungstat.

Spät entdeckte Horst O. seine Liebe zu Männern. Seit seiner Kindheit war sein Leben von Verlusten, Einsamkeit, Angst und Albträumen geprägt. Davon erzählte der damals 70-Jährige 2009 in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. 14 Jahre lang lebte Horst O. in Kinderheimen. Misshandlungen und Schläge waren an der Tagesordnung. "Das Schlimmste war die Hoffnungslosigkeit, die Überzeugung, keine Zukunft zu haben", sagte er. Jahrelang hatte Horst O. versucht, das Erlebte zu verdrängen. Dann holte ihn die Vergangenheit ein, er schloss sich dem Verein ehemaliger Heimkinder an.

Die ersten Kindheitsjahre von Horst. O. waren glücklich. Er wuchs auf dem Hof der Großeltern in Polzin (Pommern) auf. Bis die Russen einmarschierten und die Familie fliehen musste. Seine Mutter, seine zwei Jahre ältere Schwester Helga und er kamen in einem Flüchtlingslager in Eckernförde unter. Dann wurde die Mutter krank, Horst O. und seine Schwester kamen in ein Kinderheim. Tagsüber spielte er mit anderen Kindern, nachts rief er nach seiner Mutter, erinnerte er sich. Bis ihm jemand sagte: Deine Mutter kommt nicht mehr wieder. Sie ist tot.

Später wurden auch die Geschwister getrennt: Horst O. musste in ein Kinderheim für schwer erziehbare Kinder, die Schwester konnte ihr Versprechen nicht halten, dass sie immer auf ihren kleinen Bruder aufpasst. Erst als Horst O. 40 Jahre alt war, sahen sich die Geschwister wieder.

Mit 14 Jahren steckte man ihn in die Psychiatrie, weil er nicht aufhören wollte, nach seiner Mutter zu fragen. Eine geschlossene Anstalt mit Gittern vor den Fenstern, verschlossenen Türen und Kranken, die ans Bett gefesselt wurden.

Nach drei Jahren kam Horst O. in das nächste Heim. Am Ende waren es insgesamt sechs. 14 Jahre seiner Kindheit verbrachte er hier. Mit 21 Jahren hielt er es nicht mehr aus und haute ab. Beinah hätte er ein Zuhause gefunden - ein kinderloses Ehepaar wollte ihn aufnehmen. Dann starb die Frau und mit ihr die Hoffnung auf einen Ort, wo er geborgen ist. "Der Verlust von geliebten und wichtigen Menschen - das war der rote Faden in meinem Leben."