Grundschule Tannenweg

Keine Angst vorm Schreiben

Glinde. Ein waschechtes, norddeutsches Kind mit norddeutscher Mundart sagt nicht "Teller", sondern "Tellä". Und so, wie es spricht, lernt es in der Schule auch das Schreiben. Die richtige Rechschreibung steht erst später auf dem Lehrplan.

In der Grundschule Tannenweg wird das Prinzip des lautgetreuen Schreibens seit knapp vier Jahren angewendet. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht", sagt Schulleiterin Sabine Walter. Auch wenn viele Eltern verunsichert sind und befürchten, ihre Kinder lernen die Wörter falsch. "Viele fragen nach und wir klären sie an Elternabenden auf", so die Schulleiterin.

Heutige Erwachsene erinnern sich mit Schaudern an die ersten langweiligen Deutschstunden: Sie mussten seitenweise "mama" oder "pu ruft tuut" üben. Die Erstklässler der Grundschule Tannenweg schreiben dagegen schon ganze Tagebücher voller Geschichten. Darin berichten sie vom Urlaub in "Baiern" und vom Spaziergang mit dem "Nachbashunt".

Denn viel wichtiger als die richtige Rechtschreibung sei erst einmal, dass die Schulanfänger möglichst schnell ihre Geschichten aufschreiben können, sagt Gabi Löwe, Fachleiterin für Deutsch. "Ausgangspunkt ist der Sprachschatz der Kinder. Sie lernen zu schreiben, was sie hören - eine Methode, die am meisten mit der Sprache und den Ideen der Kinder arbeitet." Die Angst, etwas falsch zu Papier zu bringen, gibt es nicht. "Sie schauen nicht auf die Fehler, sondern auf die Wörter, die sie schon können."

Um Schreib- und Rechtschreibkompetenz entwickeln zu können, sei es wichtig, dass die Kinder freie, individuelle Texte verfassen. Die Befürchtung der Eltern, es werde keine Rechtschreibung gelernt, kann Löwe ihnen nehmen. "Wir wollen nur einen anderen Weg gehen. Die Rechtschreibarbeit beginnt nach etwa sechs Monaten, je nach Kind." In der Grundschule Tannenweg arbeiten die Schüler dafür mit einer "Schatzkiste", eine Sammlung von Wörtern, die sie wie Vokabeln lernen. Darin steht dann irgendwann auch "Bayern" und "Hund". Die meisten Wörter werden so geschrieben wie sie gesprochen werden. So lernen die Schüler, wenn sie genau hinhören, dass "spilen" mit langem ie geschrieben wird.

Das Prinzip des lautgetreuen Schreibens, das auch in der Grundschule Wiesenfeld zum Einsatz kommt, wird auch "Leßmann-Konzept" genannt und im Laufe der gesamten Grundschulzeit angewandt. Je älter die Schüler, umso mehr Wörter können sie fehlerfrei schreiben.