Thor-Steinar-Laden

Zeigt der Protest endlich Erfolg?

Glinde. Auch nach sechs Monaten und mehr als 150 Mahnwachen geht den Glindern die Luft nicht aus, wenn es um den Protest gegen den Modeshop "Tønsberg" am Glinder Berg geht: Mehr als 400 Menschen protestierten am Sonnabend erneut gegen den Laden, der Kleidung mit Neonazisymbolen der Modemarke Thor-Steinar verkauft.

Vom Marktplatz zogen die Menschen mit Protestschildern rauf zum Glinder Berg, wo es eine große Kundgebung unter Beteiligung aller Parteien, Organisationen und Verbände gab. "Das hat mal wieder allen klargemacht, dass Glinde aufgewacht ist", sagte Johannes Ratzek, Sprecher der Bürgerinitiative. Der breite Bürgerprotest zeige: Die Glinder wollen die rechte Szene verunsichern und verhindern, dass sie sich in der Stadt etabliert.

Offenbar sind die Protestler damit bereits erfolgreich. "Die Kundschaft des Ladens ist deutlich kleiner geworden", hat Ratzek festgestellt. Haben die Protestler anfangs während der dreistündigen Mahnwache bis zu zwölf Kunden gezählt, sind es jetzt nur noch ungefähr die Hälfte.

Doch von den wenigen Kunden werden die Gegner des Ladens immer öfter bedroht. Vier Mal haben sie bisher die Polizei gerufen, weil ihnen Situationen "brenzlig" erschienen, so Ratzek. Einmal hatten sich vier dubios aussehende Männer aus Ratzeburg vor dem bereits geschlossenen Laden aufgestellt und die Protestler genau beobachtet - es war keine offene Drohung aber eine verunsichernde Szenerie. Nur Frauen und ein einziger Mann hielten zu dem Zeitpunkt die Mahnwache ab. Drei Mal wurden mit Steinen befüllte Dosen nach den Demonstranten geworfen.

Anzeige wegen Hitlergruß

"Die einen kommen direkt zu uns und wollen über ihre Ideologie sprechen", so Ratzek. "Andere sind sauer und aggressiv und die dritten pöbeln aus der Ferne." Sieben, acht Mal kam es laut Ratzek vor, dass aus vorbeifahrenden Autos der Hitlergruß gezeigt wurde.

Ein 23-jähriger Glinder hatte das nach seinem Einkauf in dem Geschäft getan und muss sich am 16. April wegen des Zeigens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Amtsgericht in Reinbek verantworten.

Auch die Gegenseite schaltet die Polizei ein. Von den Betreibern des Modeshops am Glinder Berg gab es bereits mehrere Anzeigen. Laut Polizei drei wegen Farbbeutel-Attacken auf das Gebäude, zwei wegen Sachbeschädigungen an den Autos der Mitarbeiterinnen. Und eine wegen Beleidigung, weil eine ältere Dame eine Verkäuferin als "Nazi-Schlampe" beschimpfte. Gegen sie wurde ein Strafbefehl erlassen.

Kompetenzzentrum gegen Rechtsradikalismus

Mit dem Problem ist Glinde nicht allein. Bürgermeister Rainhard Zug traf sich jetzt mit Kollegen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, um dem Rechtsradikalismus gemeinsam die Stirn zu bieten. Sie planen, ein Kompetenzzentrum gegen Rechts zu errichten, das für Vernetzung sorgt. Zug: "Die rechte Szene ist vernetzt, deshalb müssen auch wir zusammenarbeiten, das heißt: lokal denken und uns überregional austauschen."

Für Donnerstag, 22. März, ist im Landgericht Lübeck der erste Termin für die Räumungsklage angesetzt. Die Vermieter hatten geklagt, weil sie sich von dem Ladenbetreiber getäuscht fühlen.